Lausige Regie aus Hollywood im multiglobalen Kino
Eine Filmkritik des Muslim-Markt (31.7.2003)
Im Namen des Erhabenen
Sehr geehrte Geschwister im Islam, as-salamu-alaikum.
Eigentlich erscheint der Thriller wie eine endlose Geschichte in
einem unfassbaren multiglobalen Kino, in dem Höhepunkt auf Höhepunkt
gleich auf mehreren Leinwänden folgt und der Zuschauer überhaupt keine
Chance hat, einmal tief Luft zu holen, durchzuatmen und nachzudenken.
Vorgestern jagten noch lauter USAmas unschuldige westliche Frauen und
Kinder mit Flugzeugen, gestern noch explodierte ein ganzes Land im
Kaukasus unter den friedensbringenden Raketen der Guten, heute brennt es
am Euphrat, die Saddamsöhne liegen auf dem OP-Tischen herum und der
Vater meldete sich per Tonband. Gleichzeitig unterstützt Bush Sharons
Mauerbau mit warmherzigen Worten, wie: "das ist ein Problem" -
was die Palästinenser noch nicht bemerkt hatten. Und morgen droht schon
das nächste Flugzeugattentat, wie es die parallele Filmvorschau auf
einem Fernsehbildschirm am Eingang des Kinos erläutert.
Aktion auf Aktion, ohne Übergänge. Dabei erscheinen die Höhepunkte
im multiglobalen Kino auch noch auf mehreren Leinwänden teilweise
gleichzeitig, dass selbst der Zapp-erfahrene Zuschauer den Kopf gar
nicht so schnell verdrehen kann, um Allem gleichzeitig zu folgen.
Während auf der Hauptleinwand die heutigen Helden die Schurken und
alle, die zum Schurkenstamm gehören, systematisch vernichten, schwingen
auf Nebenleinwänden gestrige Helden wie Schwarzenegger die Moralflagge
der Guten, helfen den heutigen Helden und wollen dafür
gouverneursmäßig entlohnt werden. Auf einem anderen Bildschirm wird
gezeigt, wie es denen ergeht, die es wagen, den Helden in den Rücken zu
fallen. Sie begehen gleich Reihenweise und weltweit Selbstmord! Kleinere
eingeblendete Bildschirme zeigen, wie der weiße Sheriff dem Schwarzen
Bushkrieger pädagogisch erklärt, wie hart die Motorhaube eines
amerikanischen Polizeifahrzeuges ist, um ihm die Errungenschaften
westlicher Zivilisation nahe zu bringen garniert mit einer
eingeblendeten Dokumentation über die Rekordzahlen an gefassten
Bösewichten in den USA - zumeist direkt aus dem Bus(c)h ins Gefängnis.
In einer Ecke des Kinos laufen durchgehend Menschenrechtsversuche an in
Käfigen gehaltenen minderwertigen Kreaturen, die durch rote Overalls
und Plastiktüten über dem Kopf ihre Abartigkeit zum Ausdruck bringen.
Zwischendurch explodiert es mit lautem Getöse in Gotteshäusern, meist
in Moscheen da filmisch geeignet, manchmal aber auch in Synagogen und
Kirchen.
Das "Making of" des Filmes läuft durchgehend im Rücken
des Zuschauers mit endlosen Pressekonferenzen der Hauptdarsteller, der
sauberen Ober-Helden mit Krawatte, die allerdings nur dann Oskarreife
Antworten geben, wenn nicht ein unerfahrener Journalist sie
versehentlich mit den Schurken verwechselt, was allerdings nur selten
vorkommt.
Kein noch so großer Aufwand wurde für diesen Film gescheut. Alle
Szenen wurden und werden an Originalschauplätzen gedreht, riesige
Gebäude und Flugzeuge erstmalig in der Filmgeschichte pulverisiert, ja
ganze Städte werden ohne Trickszenen gesprengt. Millionen von Statisten
erklärten sich bereit, gegen gute Bezahlung an dem Film teilzunehmen.
Dafür bekamen sie dann auch schöne sandfarbene Kostüme mit
Maschinengewehren und Helmen; einige taten es versehentlich
unfreiwillig, die bekamen kein Kostüm sondern nur aufgeschminkte
Brandflecken, Blut und Schmutz.
In den Ecken des Kinos gibt es kleine Leinwände mit weniger
wichtigen Szenen. Jeden Tag muss die Maske unvorstellbares leisten und
3000 Kinder weit entfernt von dem Kampfgeschehen Gut gegen Böse elendig
verhungern lassen. Um den Publikum keine Widerholungen aufzutischen,
müssen es jeden Tag neue Kinder sein.
Eine zusätzliche Leinwand an der Decke spielt immer wieder die
religiöse Komponente des Gesamtfilmes ein. Der Hauptdarsteller Bush
erläutert unter Tränen, wie er fast alles, was er tut, im direkten
Auftrag des Allmächtigen tut, und im Hintergrund wird das verdeutlicht,
durch Kreuze auf den Uniformen der guten Soldaten.
Selbst Filmkritiker dürfen zu Wort kommen, aber nach jedem Auftritt
werden sie mit der Zwangsjacke dorthin gebracht, woher sie ausgebrochen
sind.
Allein die Filmmusik ist so beeindruckend, dass der Zuhörer je nach
persönlicher Neigung alles aus dem überdimensionalen Orchester
heraushören kann, von unglaublich schnell getrommeltem Kindergeschrei
untermalt mit Glockenspiel, über Harfeuntermalte Panzerkettenklänge
bis hin zu sanft dahingleitendem ausströmendem Gas von
Giftgaseinsätzen, gespielt von leisen sanften Celli.
Und das besondere an diesem immer komplizierter werdenden Film ist,
dass kein Ende absehbar scheint! Pornoszenen von ukrainischen
Menschenhändlerringen werden zensiert, so dass der Film schon ab 7
Jahren frei gegeben ist, aber die Ticketverkäufer drücken beide Augen
zu, wenn auch kleinere Kinder den Film sehen wollen.
Nein, in solch einem Kino hat man wirklich keine Zeit nachzudenken!
Aber so mancher Zuschauer denkt sich möglicherweise, dass er die
Kopfschmerzen, die solch ein Kino auf Dauer erzeugt, nicht länger
ertragen kann, und verlässt das Kino: Plötzlich befindet er sich in
einer Welt der Ruhe, eine Welt, die Gott geschaffen hat, damit die
Menschen darin den Weg zum Glück für andere und sich selbst aufbauen,
eine Welt, in der es genügend Versorgung für alle gibt, in der niemand
hungern braucht, in der echte Gerechtigkeit herrscht und echter Frieden
und echte Freiheit, eine Welt in der die Seele jede Nahrung findet, um
seine bevorstehende Geburt zum ewigen glücklichen Leben gut
vorzubereiten.
Und plötzlich fällt ihm dann der grausame Film, dem er entronnen
ist, wieder ein. Ja, zugegeben, die Hauptdarsteller, Helden wie
Schurken, verdienen fast alle einen Oskar, aber die Regie.... die
scheint bei näherem Hinsehen doch etwas lausig. Zu sehr wechseln die
Hauptdarsteller und frühere Schurken verschwinden von der Bildfläche,
ohne plausible Erklärung. Wo ist z.B. dieser schillernde Ober-USAma
geblieben, der doch in den Anfangsszenen im wöchentlichen Rhythmus mit
seinen angsterregenden Videos und Tonbändern für die notwendige
Spannung sorgte. Warum ist er jetzt so schweigsam? Konnten die
Filmemacher ihn nicht mehr bezahlen? Und wo ist dieser Molla Omar, den
die CIA doch so gut ausgebildet hatte? Und wo sind die Gelder, die
einige wohlinformierte Spekulanten rechtzeitig mit einem der Höhepunkte
des Filmes eingefahren haben? Und wo sind die Wissenschaftler, die uns
bis heute zu erklären haben, wie ein Flugzeug pulverisiert werden kann
- bisher einmalig in der Filmgeheimnis. Und überhaupt, die dargestellte
Weltbevölkerung (die Statisten) sind allesamt unglaubwürdig
dargestellt, denn es wird der Eindruck erweckt, als wenn es kaum
nachdenkenden Menschen gibt, weder unter der einfachen Bevölkerung,
noch unter den Journalisten, noch unter den Geheimdiensten und
Politikern noch unter denen, die man intellektuell nennt, das kann doch
gar nicht sein!
Auch scheinen die Kosten des Filmes die Etats aller westlicher
Länder zu übersteigen, so dass der Zuschauer bald Probleme hat, die
Fortsetzung zu sehen, da er die Kinokarten nicht mehr bezahlen kann.
Nein, dieser Film kann doch nicht real sein! Und dabei haben die
Filmemacher eine Zukunftsszene noch gar nicht eingebaut. Da tauschen
plötzlich, unerwartet, wie unerwartete Besucher in der Nacht, zwei
Lichtgestalten auf. Während der eine sich Jesus nennt, nennt sich der
andere Mahdi, und beide vereinen ihre Anhängerschaft unter den
aufrichtigen Christen und Muslimen, um mit vereinten Kräften die Welt
von derartigen endlosen Thrillern voller Schrecken zu befreien. Nein,
solch eine Szene erscheint noch unglaubwürdiger, als alles, was bisher
schon gedreht wurde, und daher haben sich die Regisseure auch nicht an
das schwere Thema heran getraut......
Eines aber steht fest: Sollte die letztgenannte Szene eines Tages -
wann auch immer - doch eintreten, dann werden die Regisseure und
Hauptdarsteller des obigen Films alles verlieren. Es soll angeblich
überall in der Welt unter Muslimen und Christen auch Leute geben, die
sich selbst - durch Läuterung - auf diese letzte Szene vorbereiten
würden, aber diese "Extremisten" sieht man wahrscheinlich nur
selten, weil sie keine Zeit haben, in obiges Kino zu gehen.
Mit herzlichen Grüßen von
Ihrem Muslim-Markt-Team