Das Gefangenendilemma
oder
Warum ist Vergeltung [Qisas] sinnvoll
aber Vergebung
besser?
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O die ihr glaubt, Vergeltung ist euch vorgeschrieben für die
Ermordeten, der Freie für den Freien ...... Wird einem aber etwas
erlassen von seinem Bruder dann mit Billigkeit erhoben werden ...." (Heiliger
Quran 2:178)
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Dr. Yavuz Özoguz
Einleitung
Das vorliegende Thema behandelt die Frage von Mathematik,
Logik und Vergeltung (Qisas), selbst wenn im ersten Moment diese Themen nicht
vereinbar scheinen.
Vergeltung
Das Wort Vergeltung [Qisas] kommt an 4 Stellen im Heiligen Qur'an
vor:
O die ihr glaubt, Vergeltung ist
euch vorgeschrieben für die Ermordeten, der Freie für den Freien ...... Wird
einem aber etwas erlassen von seinem Bruder dann mit Billigkeit erhoben werden
...." (Heiliger Qur'an 2:178)
Es liegt Leben für Euch in der
Vergeltung, o ihr Verständigen, dass ihr genießen möget." (Heiliger
Qur'an 2:179)
... und für alle Dinge ist
Vergeltung. Wer sich also gegen euch vergeht, den straft für sein Vergehen in
dem Maße, in dem er sich gegen euch vergangen hat.."
(Heiliger Quran 2:194)
Wir hatte ihnen darin
vorgeschrieben: Seele um Seele, Auge um Auge .... und für Verletzungen billige
Vergeltung. Wer aber darauf verzichtet, dem soll das eine Sühne sein...."
(Heiliger Qur'an 5:45).
Aus allen Stellen erkennen die Kommentatoren, dass Vergeltung
gegenüber einem bewusst zugefügten Schaden für die Muslime ein
vorgeschriebene Handlung ist, diese Vergeltung maßvoll sein muss, und dass
unter gläubigen Geschwistern unter bestimmten Umständen auf eine Vergeltung
verzichtet werden kann. Somit ist die Vergeltung nicht zu verwechseln mit einer
rein gefühlsorientierten Rache, sondern eine Handlungsanweisung für das
funktionieren einer Gesellschaft. Sie ist ein gesellschaftspolitisches Werkzeug
in dem Leben für uns und die Gesellschaft steckt.
Kann dieses Phänomen aber auch ausgehend von der heutigen
bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnis aus belegt werden? Kann man den Nutzen
von Vergeltung für eine Gesellschaft auch mathematisch herleiten? Kann man den
Sinn und die Umstände für eine Vergebung unter bestimmten Umständen auf der
Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse veranschaulichen? Genau das ist das Thema
des vorliegenden Artikels und es soll versucht werden, die fehlbaren
wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den unfehlbaren göttlichen Geboten in
Einklang zu bringen und gleichzeitig neue Wege den wissenschaftlichen Denkens
und Vorgehens für die Muslime zu eröffnen.
Hierfür ist es zuerst einmal notwendig, einige Grundlagen
des scheinbar wissenschaftlichen Denkens und der daran gekoppelten
offensichtlich unvernünftigen Logik zu veranschaulichen. Diese unvernünftige
Logik kann am besten mit dem sogenannten Gefangenendilemma veranschaulicht
werden.
Das Gefangenendilemma
Das sogenannte Gefangenendilemma ist ein mathematisches
Problem, welches auf einer simplen Geschichte beruht:
Zwei Leute werden gefangen genommen. Es spielt hierbei
vorerst keine Rolle, ob die Gefangennahme zurecht oder zu unrecht erfolgte.
Beide Gefangenen leugnen alles, was ihnen vorgeworfen wird, obwohl sie aus der
Sicht des Staatsanwaltes schuldig sind. Der Staatsanwalt bietet jedem der beiden
Gefangenen unabhängig voneinander einen miesen Handel an. Er sagt beiden
Gefangenen das Gleiche:
Wir haben genug Indizien in der Hand, um euch beide
jeweils für 2 Jahre ins Gefängnis zu bringen, wenn Ihr beide weiterhin so
unschuldig tut. Wenn du aber deinen Kollegen verrätst und alles zugibst, dann
lassen wir dich zur Belohnung frei und er bekommt 5 Jahre Strafe, ist das nicht
lukrativ?"
Natürlich werden die Gefangenen skeptisch und fragen nach,
was passiert, wenn beide alles zugeben. Tja, dann haben sie Pech gehabt, und
beide bekommen jeweils 4 Jahre für die dann bewiesenen Taten.

Was soll der Gefangene nun tun? Soll er seinen Kollegen
verraten und selbst frei kommen, wenn der andere schweigt? Aber wäre das nicht
gemein? Er zweifelt und grübelt und weiß nicht, was er tun soll. Daher bemüht
er sich mit allem seinen Verstand das, was er Logik nennt, anzuwenden:
Es sind also insgesamt vier verschiedene Fälle möglich, die
in folgender Tabelle zusammengefasst sind:
| |
Gefangener A |
Gefangener B |
Strafe für A |
Strafe für B |
Strafe gesamt |
|
Fall 1 |
schweigt |
schweigt |
2 Jahre |
2 Jahre |
4 Jahre |
|
Fall 2 |
verrät |
schweigt |
frei |
5 Jahre |
5 Jahre |
|
Fall 3 |
schweigt |
verrät |
5 Jahre |
frei |
5 Jahre |
|
Fall 4 |
verrät |
verrät |
4 Jahre |
4 Jahre |
8 Jahre |
Was auf den ersten Blick wie das Ende einer
Kriminalgeschichte aussieht, ist ein interessantes mathematisches Problem auf
der Basis von Logik, aber welche Logik? Für einen Außenstehenden ist der Fall
der beiden Gefangenen klar:
Wenn also beide schweigen, dann haben sie insgesamt nur 4
Jahre Gefangenschaft zu fürchten (siehe Fall 1 in obiger Tabelle), und gemäß
der letzten Spalte in obiger Tabelle ist 4 Jahre (also Fall 1) das beste
mögliche Ergebnis für beide zusammen. Wie gesagt, so sieht es für einen
Außenstehenden aus.
Wie aber sieht die Logik des einzelnen der beiden betroffenen
aus? Sie haben keinen Kontakt zueinander. Wie sollen sie nun entscheiden? Was
sagt ihnen die Logik? Und welche Logik ist hier gefragt?
Fangen wir zuerst einmal an mit der ganz einfachen Logik auf
der Basis:
Mein Vorteil steht höher als der Vorteil des Anderen.
Nun,
der Gefangene A denkt sich: Wenn mein Kollege B schweigt, habe ich zwei
Möglichkeiten. Entweder ich verrate ihn oder ich schweige. Wenn ich schweige
bekomme ich 2 Jahre, wenn ich ihn verrate, dann komme ich frei. Also wäre für
den Fall, dass B schweigt, es besser für mich zu verraten. Nun könnte es aber
auch sein, dass mein Kollege B, dieser Halunke, mich verrät, was dann? Nun,
wenn ich jetzt schweige, bekomme ich 5 Jahre und wenn ich auch verrate immerhin
nur vier Jahre. Also ist es auch in diesem Fall besser, wenn ich ihn verrate. Da
es in beiden Fällen besser ist, wenn ich ihn verrate, tue ich es natürlich
auch, denn das sagt mir meine Logik.
Dummerweise aber benutzt Gefangener B die gleiche Logik. So
verraten sie beide einander und das Ergebnis ist, dass beide 8 Jahre ins
Gefängnis müssen - das schlechtest mögliche Ergebnis für beide Gefangenen
zusammen gemäß obiger Tabelle. Die Logik des Egoismus steht offensichtlich auf
wackeligen Beinen.
Überwindung der teuflischen Logik
Betrachten wir nun zwei Mudschahedin, die von z.B. Israelis
gefangen genommen wurden. Wenn diese beiden vor demselben Problem stehen, denken
sie mit einer anderen Logik. Beide hoffen, dass der andere verrät, während sie
selbst schweigen, damit zumindest der andere frei kommt, weil sie ihren Kollegen
für wichtiger und besser einschätzen als sich selbst. Das Ergebnis ist, dass sie beide nur jeweils 2 Jahre Strafe bekommen gemäß obiger Tabelle. Natürlich
können wir für dieses mathematische Problem nicht berücksichtigen, dass Zionisten Ihre Versprechen möglicherweise nicht einlösen werden. Die übliche
Folter der Zionisten lassen wir hier auch unberücksichtigt.
Nach diesem kurzen Ausflug in die Logik wollen wir versuchen,
das obige mathematische Problem auf das Thema Vergeltung anzuwenden.
Der wiederholte Handel
Anfang der 80iger Jahre, also in der Frühzeit der
Islamischen Revolution, hat ein Forscherteam das obige Beispiel des
Gefangenendilemmas umgewandelt in ein positives Beispiel, um zu erforschen, was
passiert, wenn der Entscheidungsfall immer wieder auftritt und nicht nur einmal.
Ihre Ergebnisse wurden 1983 in mehreren Ausgaben der Zeitschrift Spektrum der
Wissenschaft veröffentlicht.
Auch diese Geschichte ist sehr einfach darstellbar: Zwei
Händler haben jeweils einen Sack voll mit Ware (z.B. Geld, Gold usw.), die der
andere im Tausch zu seinen eigenen Sack (mit z.B. Fleisch, Gemüse usw.) haben
möchte. Also vereinbaren beide ein Tauschgeschäft: Dein Sack gegen meinen Sack
- ganz einfach, ein einfaches Tauschgeschäft. "Du gibst deinen Sack und bekommst
meinen Sack."
Aus irgendeinem Grund muss aber der Tausch im Geheimen
stattfinden. Beide Händler vereinbaren ihren eigenen Sack jeweils zur gleichen
Zeitpunkt an einen vereinbarten Ort z.B. in einem Wald abzulegen. Dann gehen
beide an den jeweils anderen Ort und holen ihren erwünschten Sack ab. Das macht
den Handel ein wenig spannender, denn jetzt weiß der Händler nicht, ob er
wirklich einen vollen Sack im Tausch bekommt oder betrogen wird, weil der andere
einen leeren Sack hinterlegt hat.
Es gibt also zwei Möglichkeiten.
Entweder sind Sie betrogen
worden und finden nur einen leeren Sack, oder sie erhalten einen vollen Sack.
Genauso können natürlich auch Sie entweder betrügen oder einen vollen Sack
abliefern.
Wir wollen versuchen die Möglichkeiten der Kooperation mit
Punkten auszudrücken. Der Buchstabe H soll für Handel, also
beidseitige Kooperation stehen. Der Buchstabe S für Strafe für
beidseitiges Mogeln. Der Buchstabe B soll den erfolgreichen Betrüger
symbolisieren, das heißt man gibt einen leeren Sack aber bekommt einen vollen.
Und Buchstabe T steht für den Trottel der sich betrügen ließ,
ohne selbst betrogen zu haben. Gemäß einer rein materiellen Sichtweise müsste
dann:
B > H > S > T
sein. Denn am besten wäre es, wenn ich einen leeren Sack
liefere und mein Gegenpart einen vollen (B wie Betrüger). Auch nicht schlecht
ist, wenn ich auch einen vollen Sack liefere. Denn immerhin habe ich dann
erhalten, was ich haben wollte, auch wenn ich dafür bezahlen musste (H wie
Handel). Mit leeren Händen stehe ich da, wenn ich einen leeren Sack bekomme,
aber zumindest ist der Schaden begrenzt, da ich selbst ja auch betrogen habe (S
wie Strafe). Und am übelsten stehe ich - zumindest rein materiell gedacht - da,
wenn ich nicht nur einen leeren Sack bekomme, sondern auch noch meinen vollen
Sack abgegeben habe (T wie Trottel).
Nun werden diese verschiedenen Stufen jeweils mit Punkten
belegt: T=0, S=1, H=2 und B=3.
Entsprechend obigem Beispiel ergeben sich folgende
Punkteverteilungen für die beiden Händler in den verschiedenen möglichen
Fällen:
| |
Händler A |
Händler B |
Punkte für A |
Punkte für B |
|
Fall 1 |
kooperiert |
kooperiert |
2 |
2 |
|
Fall 2 |
betrügt |
kooperiert |
3 |
0 |
|
Fall 3 |
kooperiert |
betrügt |
0 |
3 |
|
Fall 4 |
betrügt |
betrügt |
1 |
1 |
Die Gesamtpunktzahl der Beiden soll uns hier nicht weiter
interessieren.
Wenn wir den oben beschriebenen Handel nur einmal vollziehen
sollten, wäre es klar, dass wir nicht zum Trottel werden wollen und deswegen
auf jeden Fall einen leeren Sack abgeben, muslimische Bedenken sind hier
zunächst nicht gefragt. Aber dieses unrühmliche Ergebnis haben wir ja schon
beim Gefangenendilemma durchgespielt.
Aber wie ist es, wenn wir den gleichen Handel nicht nur ein
Mal sondern 1000 Mal mit dem gleichen Partner nacheinander durchführen? Wäre
es da klug, gleich beim ersten Mal seine teuflischen Absichten offen zu legen
und einen leeren Sack zu liefern? Dann bekomme ich doch sicher nicht mehr sehr
oft, was ich wünsche.
Die Computer betrügen sich gegenseitig
Genau das aber war das Forschungsziel der Wissenschaftler.
Sie wollten herausfinden, welche Strategie bei obiger Aufgabenstellung die
meisten Punkte erzielen wird in einer realen Umgebung. Hierzu schrieben sie dutzende Wissenschaftler an. Sie sollten Ihnen jeweils ein Computerprogramm
zusenden, dass bei obiger Aufgabe nach jeweils einer bestimmten Strategie
arbeitet. Unzählige Programme wurden zurückgeschickt mit sehr einfachen aber
auch sehr ausgeklügelten Taktiken.
Das einfachste Programm nennen wir Immergut. Dieses
Programm lieferte beim genannten Handel immer einen vollen Sack unabhängig
davon, ob es betrogen wurde oder nicht. Dementsprechend gab es auch ein Programm
Immerschlecht. Ihm war egal, wie freundlich sein Partner war, er ließ
sich auf keinen Handel ein und betrog immer. Daneben gab es zahlreiche andere
Programme wie z.B. Zufall. Es war immer unberechenbar, denn ein
Zufallszahlengenerator lieferte mal einen vollen und mal einen leeren Sack.
Viele Programme versuchten zuerst durch Lieferung voller Säcke das Verhalten des
anderen Programms auszuspionieren, um es dann geschickt zu betrügen. Es gab
aber auch sehr bekannte Verhaltensmuster wie EwigeVergeltung. Das
Programm EwigeVergeltung war ein sehr skeptisches Programm. Es betrog
zwar von sich aus nie, aber wenn es ein Mal betrogen wurde, lieferte es fortan
nur noch leere Säcke, unabhängig davon, ob der Handelspartner sich läuterte
oder nicht. Und das Programm Manchmalschlecht betrog alle 100 Schritte
ein Mal und war danach wieder anständig, aber wenn es selbst einmal betrogen
wurde reagierte es wie EwigeVergeltung.
Wie solche 1000maligen Handelsbegegnungen zwischen zwei
Programmen ausgehen können soll an einem Beispiel verdeutlicht werden:
Wenn z.B. das Programm Immerschlecht mit dem Programm
EwigeVegeltung zusammentrifft liefert Immerschlecht beim ersten Mal
einen leeren Sack während EwigeVergeltung mit einem vollen Sack beginnt.
Dementsprechend wird EwigeVergeltung in der ersten Runde zum Trottel
und bekommt 0 Punkte während Immerschlecht volle 4 Punkte hereinholt.
Danach aber rächt sich EwigeVergeltung und liefert in Zukunft nur noch
leere Säcke, so dass in den folgenden 999 Begegnungen beide nur die Punkte für
Strafe also jeweils 1 Punkt erhalten, weil ja beide immer leere Säcke liefern.
Am Ende dieser Begegnung hat Immerschlecht 1002 Punkte (1x3 + 999x1) und EwigeVergeltung
hat 999 Punkte (1x0 + 999x1). Gäbe es nur zwei Partner in dieser
Gesellschaft, dann würde Immerschlecht gegen EwigeVergeltung gewinnen.
Und genau nach diesem System wurden alle eingereichten
Programme gegeneinander angesetzt. Jedes musste mit jedem 1000 Mal handeln. Jedes musste sich gegen
jedes andere behaupten. Aufgrund der hohen Zahl von
eingereichten Programmen konnte man von einer realen Gesellschaft"
ausgehen. Die Frage aber war, welches Programm würde gewinnen? Welches Programm
würde die meisten Punkte sammeln? Welche Strategie führt zum Erfolg?
Zum Erstaunen aller beteiligten Forscher gewann das Programm
mit dem Namen AugeumAuge. Diese Programm ging grundsätzlich mit einem
vollen Sack in den Handel, und wenn es einmal betrogen wurde, dann lieferte es
beim nächsten Mal zur Vergeltung genau einen leeren Sack, also eine Art
begrenzte Vergeltung. Sollte der Partner aber zur Besinnung kommen, dann war
auch AugeumAuge bereit, wieder in das Geschäft einzusteigen.
Es übersteigt den Rahmen dieser Abhandlung alle
Handelsgeschäfte aller beteiligten Programme darzustellen, daher wird an einem
passenden Beispiel erläutert, wie AugeumAuge gewinnen konnte.
Wir lassen zwei Programme gegeneinander und gegen ein
Programm wie sich selbst antreten: AugeumAuge, und Manchmalschlecht.
Die Punkte, die die einzelnen Programme gegeneinander erzielen, sind in
folgender Tabelle aufgelistet. Jedes Programm tritt 1000-mal gegen jedes andere
sowie auch gegen sich selbst (also gegen ein identisches Programm) an.
| |
Manchmalschlecht |
AugeumAuge |
Summe |
|
Manchmalschlecht |
99x2+901x1 = 1099 |
99x2+2x3+1x0+898x1=1102 |
2201 |
|
AugeumAuge |
99x2+2x0+1x3+898x1=1099 |
1000x3=3000 |
4099 |
Wenn das Programm Manchmalschlecht gegen ein gleiches
Programm antritt, dann kommen beide nur auf 99 Handelsabschlüsse (99x2 Punkte).
Denn danach betrügen sie einander gleichzeitig, und dann folgt von beiden die
endlose Vergeltung (also 901x1 Punkt). Wenn Manchmalschlecht gegen AugeumAuge
antritt, dann gibt es 99 Handelsabschlüsse (99x2 Punkte). Danach betrügt Manchmalschlecht
erfolgreich (1x3 Punkte), um im nächsten Schritt die Vergeltung von AugeumAuge
hinnehmen zu müssen (1x0), während es selbst wieder einen vollen Sack
geliefert hatte. Nun rächt sich Manchmalschlecht wieder erfolgreich (1x3
Punkte) und bleibt bei seiner ewigen Vergeltung, so dass im Folgenden nur noch
leere Säcke ausgetauscht werden (898x1 Punkte).
AugeumAuge hat bei diesem Handel 3 Punkte weniger als Manchmalschlecht
weil es nur ein Mal betrügen kann (als Vergeltung). Aber wenn AugeumAuge auf
ein gleiches Programm stößt, dann kommen beide zu 1000 Handelsabschlüssen. Im
Gesamtergebnis ist AugeumAuge somit klarer Sieger obwohl er im direkten
Vergleich gegen Manchmalschlecht nicht gewonnen hat.
Selbstverständlich ist bei einer so kleinen Auswahl auch ein
anderes Ergebnis erzielbar, aber das obige Beispiel diente nur der
Veranschaulichung. Erstaunlich für die Forscher war bei dem Gesamtergebnis, das
AugeumAuge im Gesamtvergleich aller Programme sehr deutlich gewann,
obwohl das Programm selbst im direkten Vergleich gegen ein anderes Programm gar
nicht gewinnen kann. Gegen viele Programme muss AugeumAuge sogar im
direkten Vergleich eine Niederlage hinnehmen, wie im obigen Beispiel. Aber im
Gesamtvergleich aller Strategien siegte es klar und deutlich.
Die begrenzte Vergeltung scheint bei einer durchschnittlichen
Umgebung die erfolgreichste Strategie zu sein, aber ist das auch bei
entwickelten Gesellschaften so? Was passiert, wenn die bösen" Programme
immer weniger werden?
Die Forscher wollten sich nicht mit dem Ergebnis aus dem
ersten Turnier begnügen. Sie wollten testen, ob das Programm AugeumAuge immer
gewinnen wird? Daher schickten sie das Forschungsergebnis der ersten Runde an
alle Teilnehmer und auch weitere Forschungseinrichtungen und baten diese,
ausgehend von den vorliegenden Erkenntnissen neue Programme oder die alten in
verbesserter Form einzureichen. So geschah es, dass die bösen"
Programme, die zumeist die letzten Plätze einnahmen, von Generation zu
Generation immer weniger wurden. Dennoch siegte immer wieder AugeumAuge. Die
Strategie der begrenzten Vergeltung schien unschlagbar. Obwohl dumme Programme
immer weniger wurden, gewann diese erfolgreiche Strategie.
Das Spiel wurde immer weitergeführt bis schließlich in der
fünften Generation überraschenderweise für die Forscher nicht mehr AugeumAuge
siegte. Nun war plötzlich ein Programm Sieger, das hieß AugeumzweiAuge.
Es funktionierte eigentlich genauso wie AugeumAuge, aber es sah eine
einmalige Vergebung vor. Erst beim zweiten Betrug reagierte es mit einer
Vergeltung. Auch hier war ein erstaunliches Phänomen zu beobachten. Das
Programm AugeumzweiAuge war eigentlich von Anfang an dabei gewesen und
belegte immer obere Plätze, aber solange es viele böse" Programme gab,
konnte sich AugeumAuge besser durchsetzen. Erst als die Bösewichte"
von Generation zu Generation weniger wurden (weil sie immer letzte Plätze
einnahmen und daher nicht wieder eingereicht wurden), erst dann konnte sich AugeumzweiAuge
besser durchsetzen. Eine Schlussfolgerung aus dieser kurzen Forschung wäre
wohl: Vergeltung ist gut, Vergebung ist in einer entwickelten gütigen
Gesellschaft besser.
Wenn man diese Ergebnisse auf eine islamische Ebene
überträgt wird klar, dass eine Vergebung z.B. gegenüber den Feinden des
Islam, zu einem Schaden für die Gesellschaft führen würde (siehe z.B. Israel),
wohingegen in einer gesegneten Umgebung, die Vergebung gegenüber
Glaubensgeschwistern erfolgreich für den Einzelnen, wie auch für die
Gesellschaft sein kann.
Sicherlich sind durch sinnvolle mathematische, logische und
statistische Untersuchungen in unserer heutigen Computerzeit aufschlussreiche
Ergebnisse für unser Verständnis der islamischen Wahrheiten möglich. Wichtig
hierbei ist, dass die spirituellen, geistigen und materiellen Disziplinen nicht
mehr voneinander getrennt werden, wie es im Westen zum Schaden der Menschheit
praktiziert wird. Eine Verschmelzung von göttlicher Lehre mit dem
naturwissenschaftlichen Studium der Zeichen [ayat] Gottes ist die einzige und
beste Möglichkeit, wahre Wissenschaft zu betreiben.
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