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Wenn Honduras und Michael Jackson dem Imperialismus in die Quere kommen

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Von Yavuz Özoguz am 29. Juni 2009 10:10:08:

Wenn Honduras und Michael Jackson dem Imperialismus in die Quere kommen

Historische Entwicklungen werden zuweilen von Ereignissen begleitet, die zwar nicht direkt mit der Hauptbühne der Ereignisse zu tun haben aber dennoch einen Erkenntnisprozess der beteiligten Bevölkerungen voranbringen. Die einen nennen es Zufall, die anderen Gottesfügung.

Der Umsturz im Iran war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit; so zumindest war die Vorstellung vieler Kommentatoren, und sämtliche “Regime-Gegner“ krochen wieder aus ihren Verstecken hervor. Westliche Regierungen bzw. deren Mitglieder riefen ganz offen über die Medien zum Umsturz im Iran auf. Westliche Journalisten berichteten von Ereignissen, die nie stattgefunden haben, nur um die Umsturzwelle, die sie erhofften, in ihre Berichterstattung einfließen zu lassen. Auf den Straßen von Staaten, in denen vermummte Demonstrationen verboten sind, wurden vermummte Umsturzanhänger des Schah und der Terrororganisation “Volksmudschahedin“ medial unterstützt. Die sich seit Jahren “neutral“ gebärdende “Amnesty Internation“ outete sich als Unterstützer von Umstürzlern, indem sie den Kapitalfehler der 80er Jahre wiederholte und die Lügengeschichten der Volkmudschahedin ungeprüft als Meldungen herausgab, wie z.B. dass angeblich vVerletzte Demonstranten aus Krankenhäusern verschleppt würden. Die Geheimdienste fluteten über Twitter und andere Plattformen die mediale Unterstützung für Umsturzanhänger, so dass das Thema Iran über eine Woche lang an erster Stelle der Diskussionen stand. Und Politik wie deren Hofjournalisten der Westlichen Welt mischten sich unverfroren und unverschämt in die inneren Angelegenheiten des Iran ein, indem sie Neuwahlen forderten begleitet vom Einbestellen des iranischen Botschafters usw.. Obama outete sein wahres Gesicht und verdeutlichte, das seine “Dialogangebote“ lediglich eine modifizierte Methode der Hegemonialbestrebungen des Imperiums sind. Über eine Woche lang “trieb“ die Westliche Welt den Iran vor sich her in der festen Überzeugung, dass sie dieses Mal, nach 30 Jahren verzweifelten Bemühungen, endlich den Umsturz im Iran erreichen könnte.

Dann kam es zu jener historischen Freitagsansprache Imam Chamene’is, welche sicherlich in die Geschichte des Iran und wohl des gesamten Islams eingehen wird. Die Gegner des Islams und der Islamischen Republik waren zunächst geschockt, die Anhänger erhielten die Stärkung, auf die sie gehofft haben in einem Maß, dass sie sich selbst nicht hätten vorstellen können. Und plötzlich war zumindest für die Anhänger klar, dass die Geschehnisse nicht allein durch materielle politische Ereignisse, sondern auch durch spirituelle Aspekte beeinflusst werden sollten, eine “Kampfdimension“, in der sich die Westliche Welt überhaupt nicht auskennt. Millionen von Muslimen – aber auch manche Christen und Juden – setzten sich allein oder gemeinsam hin und beteten! Sie beteten, dass die Ereignisse zur Befreiung der unterdrückten Menschen und der Welt, zur Offenlegung der Feindschaft der Unterdrücker, zu wahrem Frieden und wahrer Freiheit in Gerechtigkeit führen möge. Sie untermauerten ihre Gebete durch friedliche Aktivitäten, durch herzerfrischende Schriften, die den Geist der islamischen Befreiungstheologie auch für unterdrückte anderer Völker sichtbar, hörbar und lesbar machte.

Und dann geschahen Ereignisse, auf die weder Anhänger der Islamischen Revolution noch Umsturzanhänger jeglichen Einfluss hatten! Die berühmte Farrah Fawcett starb. Nun ist das Ableben einer Frau, die vor allem durch eine unsinnige Serie bekannt ist, die den US-amerikanischen Kulturimperialismus mittragen sollte und die Vorstellung von wahren Engeln Gottes durch die Karikatur von menschlichen Puppen untergräbt nicht gerade ein Weltereignis. Aber allein dieses Ereignis verdeutlichte, dass die Geheimdienst-Front in Twitter zusammenbrach. Sämtliche engagierte Kräfte in der Westlichen Welt, in den USA und in England, die das Thema Iran an wichtigster Stelle der Diskussion halten sollten, versagten gegen die Flut der Diskussion um das Ableben einer Frau, deren bekannteste Qualifikation darin bestand, dass sie sich für ein Voyeurmagazin ausgezogen hatte. War das nicht eine wirkliche “Ironie“ der Geschichte. Westliche Agenten, muslimische Heuchler und eine Schar von ahnungslosen Mitläufern, die sich u.a. dafür eingesetzt haben, dass sie sich öffentlich ausziehen dürfen, werden von einer Ikone der öffentlichen Entblößung in die Twitter-Schranken verwiesen.

Aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Wenige Tage danach starb der “König der Westlichen Kultur“. Michael Jackson erlag offenbar einer Mischung seiner Medikamenten-Abhängigkeit und einem Schuss Morphium. Das Thema Iran rückte an dritte Stelle in Twitter. Was war das für eine Dramaturgie im Welttheater? Ein Mann, der durch zahlreiche Schönheits-Operationen so sehr entstellt war, dass man ihn nicht wieder erkannte, ein Mann der als Erster “Superstar“ die öffentliche Schamlosigkeit auf die Spitze getrieben hat und sich so oft an vor allen Leuten an Körperstellen griff, an die sich selbst Menschen mit Flöhen schämen würden so oft zu greifen, ein Mensch, der einstmals 20 Millionen Schweigegeld an eine Familie bezahlt hatte, damit ein Kindermissbrauchsvorwurf zurückgezogen wird, jeder Mensch war gestorben. Und die Nachrichten und Sondersendungen kannten kein Halten mehr! Was war das für eine Welt? Jeder andere mit solch einem Lebenslauf würde einer geschlossenen Anstalt zugeführt werden. Man braucht bei den Mitschnitten der Konzertauftritte nur den Ton abzustellen, um zu erkennen, dass hier offenbar der Menschheit die Unbestreitbarkeit der Evolutionstheorie bewiesen werden soll. Jener Mensch, dessen Familie bezeichnenderweise auch noch zum Islam konvertiert war und die mehrfach versucht hat, ihren Bruder und Sohn aus den Fängen dieses Kulturwahns zu retten, musste sich von ihm verabschieden.

In wie weit hier die Versicherung des Veranstalters greift, die bei Ausfall der 50 angekündigten Konzerte zu zahlen hat, überlassen wir der Recherche westlich orientierten Journalisten. Aber es wäre kaum vorstellbar, dass eine Ikone oder gar Götze des kapitalistischen Hegemonialwahns, dessen Kulturexport er symbolisierte, durch etwas anderes gestorben sein sollte, als seinem “Gott“.

Die Mitläuferdemonstranten im Iran aber dürften derweil völlig desillusioniert sein. Waren sie nicht auch für Schönheitsoperationen, Disko-Musik und Paarungsstammesriten der Westlichen Welt, dessen Oberguru die Bewegungen auf der Bühne vorführte, auf die Straße gegangen? Jetzt war nicht nur eines ihrer Idole gestorben sondern die anderen Fans hatten sie im Regen stehen lassen. Sei selbst mussten gleich zweiermaßen trauern; zum Einen für den Verlust des Idols und zum anderen für den Verlust der Twitter-Unterstützung ihres “Aufstandes“.

Aber der Lauf der Geschichte hat sich nicht mit der kulturellen Entlarvung jener “Bewegung“ begnügt. Viel wichtiger war es, die extreme politische Heuchelei der Westlichen Welt für alle Welt offenzulegen. Und so ereignete sich auch noch ein Militärputsch. In Honduras wurde mit Waffengewalt das Parlament entmachtet, Staatschef Zelaya abgesetzt und entführt, und die von ihm angestrebte Volksbefragung für verboten erklärt! Um die Tragweise der Ereignisse, die von den Journalisten und Politikern der Westlichen Welt verharmlost wird, zu verdeutlichen, noch einmal in aller Ruhe zum Mitschreiben:

Der von der Mehrheit seines eigenen Volkes getragene Präsident eines Landes wurde von den kapitalistischen und westlich orientierten “Eliten“ mit Militärgewalt abgesetzt, was man Putsch nennt. Das vom Volk gewählte Parlament wurde aufgelöst und der Anlass war, dass der Präsident eine Volksbefragung durchführen wollte, der letztendlich in die Verminderung des westlichen Einflusses in dem Land geführt hätte. Und wie reagiert die westliche Welt darauf? Wie reagieren jene Politiker darauf, die bei den Demonstrationen einer kleinen Minderheit im Iran zu schweren Maßnahmen gegriffen haben und die gesamte Front der medialen und diplomatischen Feindschaft aufgefahren haben? Sie erklären ihre Besorgnis!

Ein Militärputsch verhindert eine Volksbefragung, und die Westliche Welt ist “besorgt“. Der Oberputschist verhängt eine zweitägige Ausgangssperre (etwas, was es im Iran nie gegeben hat) und die Westliche Welt ist “besorgt“. Barak Obama hat aber eine wirklich geniale Idee: Er fordert die “Konfliktparteien“ auf, den Streit am Verhandlungstisch friedlich beizulegen. Für alle, die Obamas sensationelle Aufforderung nicht verstanden haben, hier noch einmal in Übersetzung: US-Präsident Barak Obama fordert Putschisten und die von ihnen gewaltsam Entmachteten dazu auf, dass sie miteinander verhandeln sollen. Niemand verlangt, dass der Volkswille umgesetzt wird und das Militär sich zurückziehen soll. Keine einzige Westliche Stimme fordert die Aufhebung der Ausgangssperre zur Einhaltung von “Demonstrationsfreiheit und Menschenrechte“. Die EU fährt sogar ganz schweres diplomatische Geschütz auf: Die EU-Außenminister erklärten, Zelayas Absetzung stelle eine “inakzeptable Verletzung der verfassungsmäßigen Ordnung in Honduras“ und man verlangt eine “eine Rückkehr zur verfassungsgemäßen Normalität“. Dummerweise ist jene Forderung so nichtssagend wie bedeutungslos, denn das Militär beruft sich ja auf die Verfassung! Und was bedeutet jene Forderung in der Praxis? Kein Botschafter wurde einbestellt, keine Sanktionen angedroht, keine nachdrücklichen Forderungen an die Putschisten gestellt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte zwar die Wiedereinsetzung des entmachteten Präsidenten, aber für solch eine weitgehende Forderung war kein Politiker der Westlichen Welt zu gewinnen. Immerhin verlangen sie aber die “Freilassung“ Zelayas! Wo bleiben die Reden, die darauf hinweisen, dass man den Willen des Volks nicht ewig unterdrücken kann? Warum erfolgt die Unterstützung des honduranischen Volkes so halbherzig? Ist es deswegen, weil sich das Volk als ein weiteres Volk vom Westimperium lossagen wollte; und zwar ganz demokratisch?

Manchmal fragt man sich, was Gott (oder der Zufall) eigentlich noch alles bewirken soll, damit den Menschen die Augen aufgehen? Wer kann jemals die menschenverachtende westliche Hegemonialpolitik und den mörderischen Imperialismus verstehen, wenn er die Doppelstandards dieser Tage nicht erkennt? Wie soll ein Mensch sich selbst jemals befreien können, wenn er akzeptiert, dass “Menschenrechte“ für viele westliche Politiker nur ein Werkzeug zur Durchsetzung ihrer Machtinteressen sind, die sie beliebig verdrehen, auf den Kopf stellen und zuweilen auch mit Füßen treten, wenn es ihren Interessen nützt.

Der Iran ist nicht weiter bereit, dieses Spiel mitzuspielen; nicht einmal in ihrer diplomatischen Zurückhaltungsvariante. Zu sehr haben europäische Politiker ihre offene Feindschaft gegen die Islamische Republik Iran gezeigt. Zu sehr haben sie die Mehrheitsbevölkerung der Islamischen Republik Iran gut zehn Tage vor ihrer Medialmacht hergetrieben. Jetzt dreht der Iran den Spieß um und treibt die Europäer. Gestern wurden iranische Mitarbeiter der britischen Botschaft festgenommen und in den folgenden Tagen und Wochen dürften noch ganz andere “Überraschungen“ auf die Europäer warten, die nunmehr offenbar dazu gedrängt werden sollen, die Beziehungen abzubrechen, wenn sie sich trauen! Der Mehrheitsbevölkerung im Iran wäre es lieb! Und dann wird sich herausstellen, wer jene Beziehungen mehr benötigt, der Iran oder Europa!

Im Iran sollte die Regierung gestürzt werden. Das ist gescheitert. Am Freitag haben die Grünen (in Deutschland nicht im Iran) einen Gesetzentwurf bezüglich unrechtmäßiger Überhangmandate in den Bundestag eingebracht, der zum Sturz der Bundesregierung führen kann. Denn entweder muss die SPD dagegen stimmen und läutet damit ihren eigenen endgültigen Zusammenbruch, sowie den Verlust bei der nächsten Bundestagswahl ein, oder aber sie muss den Koalitionsvertrag brechen und für die Gesetzesänderung stimmen; eine Gesetzesänderung, die das Verfassungsgericht verlangt hat, aber welche die Partei der Kanzlerin derzeit nicht wünscht, da es zu ihren Ungunsten wäre. So verstehen westliche Politiker die eigene Verfassungsordnung und Demokratie. Das wäre wirklich die Pointe der “Grünen Revolution“.

Der bundesdeutsche Wähler aber trägt eine entscheidende Mitverantwortung, in der Vergangenheit wie in der Zukunft.



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