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Was tun, wenn Verbrecher noch größere Verbrecher bekriegen?

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Von Yavuz Özoguz am 30. März 2011 09:52:52:

Was tun, wenn Verbrecher noch größere Verbrecher bekriegen?

Die Hauptopfer heutiger Kriege sind unschuldige Zivilisten. Jene Opfer werden in “kauf“ genommen, wenn der Kapitalismus angeblich humanitäre Ziele verfolgt. Was aber ist zu tun, wenn zwei Verbrecherparteien einander bekämpfen und dabei Zivilisten sterben?

Der Krieg in Libyen ist ein echtes Dilemma für Außenstehende, die ihre Menschlichkeit gewahrt haben und die sich stets an die Seite von Unterdrückten stellen wollen, denn es ist schwer zu entscheiden, wer der größere Verbrecher und wer das geringere Übel ist. Die Schwierigkeit der Betrachtung wird deutlich, wenn man sich die deutsche Parteienlandschaft ansieht. Die gleichen Parteien, die zuvor als “links“ und Antikriegspartei galten, stehen – wenn auch nicht geschlossen – hinter der Bombardierung eines Landes, während die Parteien, die seit ihrem Bestehen jedes Verbrechen der USA mitgetragen haben, herumlavieren. Das Dilemma liegt in der Konstellation des Krieges.

Auf der einen Seite des Krieges steht ein von den Briten ausgebildeter Meisterverbrecher, der eines der britischen Elemente zur Zersetzung des Islam ist. Großbritannien kämpft nunmehr seit Jahrhunderten mit allen möglichen Agenten für die Zersetzung und Zerspaltung des Islam, um die Muslime besser ausbeuten und beherrschen zu können. Die Aufteilung der arabischen Länder in lauter kleine Feudalstaaten und die Dreiteilung Indiens dürften als “Meisterwerke“ jener Unterdrückungspolitik bezeichnet werden. In allen Fällen wurde der Boden durch Zersetzung des Islam geebnet, in einem Fall durch den Wahabismus in dem anderen Fall unter anderem durch die Ahmadiyya; beides von den Briten “geförderte“ Sekten, die aus dem Islam heraus “entstanden“ sind.

Eine weitere derartige “Sekte“ sollte Gaddafi leiten. Er wurde in den sechziger Jahren an den Militärakademien in Großbritannien ausgebildet. Nach dem “Abschluss“ seiner Ausbildung stürzte er 1969 König Idris durch einen Putsch und übernahm als “Bruderführer“ einer Militärjunta die Macht, die er nie wieder abgeben wollte. 1975 verfasste er (oder ein britischerer Ghostwriter) das sogenannte Grüne Buch, in dem er seine politischen Ziele publizierte, die eine Art Mischung aus Sozialismus und Kapitalismus darstellen. Wichtigstes Zeil seiner “Mission“ war stets die Zersetzung des Islam unter Arabern. Dieses Ziel verfolgte er unter anderem durch die Ermordung hoher islamischer Würdenträger, die ihm gefährlich werden konnten. Wohl im Auftrag des britischen Kolonialisten hat er einen der größten schiitischen Geistlichen des 20. Jh., Sayyid Musa as-Sadr, Ende August 1978 in Libyen “verschwinden“ lassen. Seine Leiche ist bis heute nicht gefunden worden. Beim Krieg Saddams gegen die noch junge Islamische Republik Iran gehörte Gaddafi zwar zu den wenigen Staaten, die sich nicht gegen den Iran gestellt haben. Das hatte aber eher taktische Gründe seiner britischen Führungsoffiziere, die sich diesen harmlosen “Zugang“ zum Iran durch die Hintertür offen halten wollten.

Das Hauptziel britischer Islamzersetzung war aber stets die ideologische Zersetzung. Die Beweise hierfür können nachgelesen werden auf den eigenen Internetseiten Gaddafis, auf denen er selbst zahlreiche deutsche Texte veröffentlicht hat, so dass hier “Missverständnisse“ durch Übersetzungen unsererseits ausgeschlossen werden können. In einer Rede zum Geburtstag des Propheten am 19.3.2008 sagt er:

„Diejenigen die Wunder erfinden und sie Mohammed zuschreiben, glauben nicht an ihn. Sie sind nicht sehr gläubig. Alle diese Scheiche und Imams, die sagen Mohammed hätte Wunder vollbracht, sind ungläubige. Die Offenbarung des Korans an ihn, ist für Mohammed genug. Er braucht keine anderen Wunder. Diejenigen die mehr Wunder brauchen um an den Koran zu glauben, haben kein Vertrauen in die heilige Schrift. ... Ich hoffe, dass diese Unterschlagungen, wie die Aussage, dass eine Gazelle zu ihm gesprochen hätte, dass die Steine ihm angesprochen hätten, dass Wasser von seiner Hand geflossen sei, dass er tausend Leute von einem einzigen Teller ernährt hätte, oder gar dass sich der Mond vor ihm in zwei geteilt hätte, die Mohammed zugeschrieben werden, bald aufhören werden. ... Diejenigen die solche Ansprüche erheben, sind nicht seine Anhänger. Solche Mutmaßungen sind das Werk von ungläubigen. Diese erfundenen Wunder sind ein Zeugnis mangelnden Glaubens. Solche Wunder Mohammed zuschreiben zu wollen, ist ein Zeugnis mangelnden Glaubens ...“

Kurzerhand erklärt er somit 99% der Muslime für “Ungläubige“. Um die Tragweite seiner Agitation auch aus christlicher Sicht zu verstehen, müsste man sich vorstellen, dass irgendein Staatschef eines mehrheitlich christlichen Landes in einer Rede sagen würde: „Jeder, der an die Jungfrauengeburt Jesu, seine Wunder und die Auferweckung von Toten glaubt, ist ein Ungläubiger und kein Christ“.

Hier spiegelt sich exakt und unübersehbar die Handschrift seiner britischen Führungsoffiziere bzw. Ausbilder wieder. Noch dreister wird er – in der gleichen Rede – wenn er vermeintlich “Schiiten“ (die er “Shias“ nennt) vor Unterdrückung schützen will:

„Die Shias sind zweit-, und dritt Klasse Bürger in den arabischen Ländern. Ihr Glaube führt zum Verlust des Wahlrechtes. Sie haben das Anrecht auf erste Klasse Bürger zu sein, verloren. Was haben sie verbrochen, davon abgesehen, dass sie die Shia Ansicht vertreten von der Anbetung der Familienmitglieder der Propheten und dass Ali sein auserkorener Nachfolger war. Viele Shia Untergruppen werden verfolgt, sind auf der ganzen Welt zerstreut und werden der Ketzerei angeklagt. So ergeht es den Baharis, Baha’is, Nizaris, Drusen, Nusseiris, Zeudis, Quadyanis und vielen anderen Shia Gruppen.“

Aha! Da behauptet also der Staatschef eines muslimischen Landes vor Tausenden von Zuhörern und Hunderttausenden potentiellen Lesern, dass Quadyanis (eine Ahamdiyya-Gruppe; von Briten initiiert), Bahais (eine Gruppe, die selbst gar nicht behauptet Muslime zu sein, von den Briten initiiert und mit Hauptsitz in Haifa) usw. “Schia-Gruppen“ seien. Solch Agitation über Jahrzehnte hinweg dient den Plänen der Herrenmenschenherrschaft über die Welt und Zersetzung des Islam und der Muslime, weil bereits frühzeitig das Potential zur Befreiungstheologie im Islam erkannt wurde.

Über den Polizeistaat Libyen und die zahllosen Morde, die Gaddafi zuzuschreiben sind, einschließlich eines – im nachhinein betrachtet – von bestimmten Kreisen im Westen durchaus geförderten Terrorismus (inklusive Lockerbie-Anschlag!) braucht an dieser Stelle nicht weiter berichtet zu werden. Ein kurzer Blick noch auf seine acht Kinder soll genügen, um den verbrecherischen Charakter der ganzen Familie zu erkennen: Der älteste Sohn Muhammad Gaddafi führt das Libysche Olympische Komitee an und besitzt alle Telekommunikationsunternehmen in Libyen, was ihn zum Multimillionär gemacht hat; eine besondere Form des Staatsmonopols im Sozialismus. Nummer zwei, Saif al-Islam al-Gaddafi galt als von den USA aufgebauter Nachfolger seines Vaters, da alle anderen nicht einmal von britischen Führungsoffizieren führbar waren. Der dritte Sohn Al-Saadi leitet die Libysche Football Federation und spielte im italienischen Fußballteam Perugia Calcio, die er selbst gekauft hat. Sein gestohlenes Vermögen stammt aus der eigenen Ölindustrie. Nebenbei war er Filmproduzent. Nummer vier, Mutasim-Billah, hat versucht seinen Vater zu stürzen, aber das ist schief gegangen. Er floh nach Ägypten, durfte aber auf britische “Vermittlung“ und “Vergeben“ seines Vaters zurück. Ihn hätten die Briten als Nachfolger bevorzugt, da sie ihn in der Hand haben. Nummer fünf, Hannibal Gaddafi fuhr mit 140 km/h über die Pariser Champs-Elysées, prügelte sich mit Disko-Türstehern, verprügelte seine schwangere Freundin und wurde mehrfach im Westen festgenommen (und wieder frei gelassen). Ähnliches gilt für Nummer sechs Saif al-Arab. Allein die Namensgebung der Kinder macht die geschickte “Zersetzung“ des Islam deutlich. Seine einzige Tochter Aischa ist Anwältin und gehörte zu Saddam Husseins Verteidigern, wobei festzustellen ist, dass auch im Irak eine Anwältin aus Libyen nur mit Unterstützung der USA und Briten tätig werden kann.

Während die Familie nicht genug von den Milliarden der eigenen Bodenschätze in den Rachen bekommen kann und auf Konten überall in der Welt verteilt (nur ein Bruchteil davon ist jetzt “eingefroren“), wurde dem eigenen Volk eine Art “Sozialismus“ aufgezwungen mit einen Bildungsniveau, dass die Bevölkerung derart verdummen ließ, dass sie nicht nach jeder Rede Gaddafis in Lachen (oder Weinen) ausbrach, obwohl Gaddafis intellektuelle Begrenztheit durchaus bekannt war. Zweifelsohne hat Gaddafi sein Volk ausgebeutet. Zweifelsohne ließ er auf sein Volk schießen und zweifelsohne auch keinerlei Skrupel, tausende und abertausende Zivilisten zu ermorden. Er ist ein Verbrecher durch und durch!

Doch wer steht auf der anderen Seite? Wer schießt heute auf das libysche Volk, um es angeblich zu schützen? Es sind vor allem die Kampfflieger der USA, der Briten und der Franzosen. Bei diesen drei Angreifern handelt es sich um die drei Staaten, die für die meisten Morde an unschuldigen Zivilisten im 21. Jh. verantwortlich sind. Es handelt sich um die Verbrecher-Regime, die mit Urangeschossen ganze Landstriche verseuchen und Millionen von Menschen vergiften. Es handelt sich um Vertreter von Systemen, die mit ihren Pharmaverbrechen die eigenen Bevölkerung zwangsgeimpft, mit ihren Finanzverbrechen die Gelder der eigenen Bevölkerung für Generationen gestohlen und mit ihrer Energiepolitik bald die ganze Erde unbewohnbar gemacht haben werden! Es handelt sich um die Spitzenvertreter einer Ideologie, die maßgeblich für 30.000 Hungertote am Tag in dieser Welt und allein im Irak für 1 Million Kriegstote verantwortlich sind. Kurz und schlecht: Es handelt sich um die schlimmsten Verbrecher-Regime unserer Zeit, völlig unabhängig davon, ob sie ihren Bevölkerungen im Rahmen der von ihnen beherrschten “Meinungsfreiheit“ das Gefühl geben, eine Stimme abgegeben zu haben oder nicht. Und jene Verbrecher sind so dreist, dass sie in “Allianz“ mit offensichtlichen Diktatoren, mit Königen und Sultanen zusammen Libyen beschießen lassen, während sie gleichzeitig nicht einmal darüber berichten, wie das gegen den westlichen Tyrannen aufstehende Volks in Bahrain massakriert und die Saudische Herrscherdynastie von westlichen Soldaten am Leben erhalten wird.

Auf welche Seite soll sich also ein Beobachter dieser Geschehnisse stellen? Soll er für die “Allianz“ sein oder für “Gaddafi“? Während selbst deutsche Politiker durch alle Parteien hinweg nicht so genau wissen, auf welche Seite sie sich stellen sollen, muss man der Bundesregierung – bei aller im Anschluss erfolgten schwindelerregenden Verrenkung inklusive offener Konfrontation des Innenminister gegenüber den eigenen Muslimen – zugute halten, dass sie sich nicht direkt an dem neuerlichen Massaker beteiligt hat!

Warum muss man überhaupt für eine der Seiten sein? Warum darf man die Dinge nicht beim Namen nennen? Warum darf man z.B. nicht fordern, dass Gaddafi vor ein internationales Tribunal gehört, und zwar nachdem jenes Tribunal die weitaus bedeutsameren Fälle gegen Bush, Obama, Blair, Cameron, Sarkozy und einige weitere Zeitgenossen abgeschlossen hat? Warum darf man das nicht fordern? Ist es “extremistisch“ wenn man die Anklage gegen die größten Verbrecher der Zeit fordert, nur weil diese derzeit die Westliche Welt beherrschen? Ist es “extremistisch“ zu fordern, dass solch eine mörderische Politik bestraft werden muss, und wer Gaddafi bestraft, auch diejenigen bestrafen muss, die ihn Jahrzehntelang gefördert und geführt haben?

Ja, das gilt als “extremistisch“ in der Westlichen Welt. Als realpolitisch gilt hingegen, wenn man sich auf die eine oder andere Seite begibt und damit die Bombardierung von unschuldigen Menschen – bewusst oder unbewusst – mitträgt. Ist es da wirklich so verwunderlich, warum immer mehr junge Menschen “extremistisch“ werden?

Die Forderung allein, Bush und Obama vor ein Tribunal anzuklagen wird sicherlich nicht dazu führen, dass sie angeklagt werden. Aber je mehr Menschen in der Welt den Mut zur Wahrheit aufbringen, desto mehr werden die eigenen Politiker auch dazu bewegt, sich von Verbrechern zu distanzieren. Und Deutschland “muss“ nicht auch noch im Dritten Weltkrieg auf der Seite der Verbrecher der einen oder anderen Seite stehen. Dazu bedarf es aber weitaus mehr und bedeutsamerer Stimmen für Gerechtigkeit und Frieden in wahrer Freiheit!



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