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Könnte ich als Migrantensohn Bundeskanzler werden? Nach Obamas Sieg in den USA

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Von Yavuz Özoguz am 17. November 2008 15:00:27:

Könnte ich als Migrantensohn Bundeskanzler werden?

Nach Obamas Sieg in den USA haben sich viele gefragt, ob es auch in Deutschland in absehbarer Zeit denkbar wäre, dass ein Sohn z.B. eines türkischen Migranten Bundeskanzler wird. Sollte ich mich also bewerben auf das Bundeskanzleramt, schließlich besitze ich das aktive wie auch passive Wahlrecht.

Zunächst einmal würde ich obige Frage sofort mit einem klaren, deutlichen „nein“ beantworten! Denn sollte irgendjemand wünschen, Bundeskanzler zu werden, ist er meines erachten ohnehin nicht dafür geeignet. Das Amt ist idealerweise ein Dienst am Volk und nicht eine “Wunschjob“, auch wenn es in der Vergangenheit nicht so gehandhabt wurde. Allerdings werden mir selbst politische Gegner zutrauen, dass es bestimmt nicht mein Wunsch ist, jenes Amt anzustreben. So können wir die Frage, ob ein Sohn türkischer, noch dazu muslimischer Einwanderer deutscher Bundeskanzler werden könnte einmal am Beispiel meiner Person durchspielen. Was könnte den “echten“ Deutschen dazu bewegen, jemanden wie mich zu wählen?

Zunächst einmal müsste sich mein Wahlprogramm drastisch von demjenigen, der etablierten Parteien unterscheiden, denn sonst könnten sie ja gleich die Etablierten (und damit “echten“ Deutschen wählen). Als wichtigsten Aspekt würde ich das Wirtschaftssystem umbauen. Nicht der Mensch ist für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft für den Menschen. Ein auf dem Zinssystem beruhender Kapitalismus ist ohnehin eine zum Scheitern verurteilte Fehlkonstruktion. So würde ich die Bevölkerung bitten in einer einmaligen Kraftanstrengung sämtliche Schulden Deutschlands zu tilgen (notfalls auch mit Gebietsverkäufen an Grenzen) und eine Verfassungsänderung derart anstreben, dass keine zukünftige Regierung jemals mehr Schulden manchen darf. Die stärken Deutschlands liegen zweifelsohne in dem hohen Grad der Bildung, die weiter zu stärken ist. Kleine und mittelständische Betriebe sind stärker zu fördern als die Großen, die oft keine regionale Bindung haben. Das versprechen zwar auch die Kapitalisten, aber sie dienen doch eher dem Großkapital, als den Bürgern. Das Bankensystem müsste (abgesehen von der Umwandlung des Zinses in echte Gewinn- und Verlustbeteiligungen) umgekrempelt werden. Geld darf nicht mehr gedruckt werden sondern nur bestehendes Geld (also tatsächlich erbrachte Leistung und Güter) fließt im Wirtschaftskreislauf; ein neues System, dass von unabhängigen und nicht hofhörigen Wirtschaftsfachleuten im Lande (die es gegen alle Erwartung tatsächlich gibt) zu erarbeiten wäre. Dazu gehört auch die Verstaatlichung von Wirtschaftszeigen, die aufgrund ihres Charakters dazu angehalten sind, weniger zu produzieren und daher nicht gewinnorientiert arbeiten können. So müssen z.B. die Wasser- und Energiewirtschaft verstaatlicht werden, um beide so wertvollen Güter effektiver einsparen zu können, und die Pharmaindustrie auch, damit die Gesundheit im Land gefördert wird und nicht der Absatz von Medikamenten. Die optimale Medizin aber muss für jeden Bürger frei zugänglich sein.

Außenpolitisch müsste Deutschland endlich in einem vereinigten Europa Vorreiter für die Befreiung von den USA und Leuchtturm zur Abwehr einer Unterdrückungspolitik werden. Das hat zur Folge, dass Deutschland aus der NATO austritt und anderen Europäern diesbezüglich als Vorbild dient. Die Bundeswehr begrenzt sich auf seine Aufgaben zur Verteidigung Deutschlands, und Deutschland beginnt nach meiner Wahl nicht mehr am Hindukusch. Dennoch werden wir gerade den historisch verbundenen Ländern helfen, ihre Infrastruktur aufzubauen (natürlich mit langfristigen Interessen für die eigene Wirtschaft). Dabei treten deutschen Firmen als Partner und nicht als Herren auf. Diese Art der neuen Kooperation (was die kleineren Firmen übrigens heute schon tun) wird die Beziehungen auch in andere Bereichen bereichern. Deutschland würde aus dem „Krieg gegen Terror“ aussteigen, und einen neuen “Krieg“ gegen Unterdrückung, Armut, Hunger und Durst in der Welt anführen; allerdings nicht mit Soldaten, sondern mit Know-How und Vernunft!

Ein besonders heikler Aspekt deutscher Beziehungen, sind die historisch belasteten Beziehungen zu Juden. So müsste sich Deutschland intensiver denn je zuvor für den Schutz derjenigen Juden einsetzen, die weltweit (nicht nur in Deutschland) Opfer des Antisemitismus sind. Jeder durch antisemtismus verfolgte Jude müsste das Recht erhalten, nach Deutschland zu kommen. Synagogen in Deutschland würden einem besonderen Schutz Deutschlands unterliegen und es würde zum Pflichtschulfach gehören, über das Judentum (erläutert von einem Juden), über das Christentum (erläutert von einem Christen) und über den Islam (erläutert durch einen Muslim) zu erfahren mit entsprechenden Besuchen in Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie deren Gräberfeldern. Gleichzeitig müsste Deutschland seine Beziehungen zu Israel abbrechen, da Israel derzeit den schlimmsten Missbrauch des Judentums betreibt und gleichzeitig Hauptverantwortlicher für jahrzehntelange Unterdrückung unschuldiger Menschen in der Region ist. Erst wenn Juden, Christen und Muslime gleichberechtigt in einem Staat in der Region zusammen leben können (wie es ja auch in Deutschland angestrebt wird), würde Deutschland die Beziehungen neu aufbauen. Überhaupt müsste Deutschland seine Beziehungen mit allen Regimen, die gegen die jeweils eigene Bevölkerung regieren, neu überdenken. Könige und Prinzen, die nur mit Hilfe von US-Soldaten herrschen, können nicht die strategisch langfristige Ausrichtung deutscher Wirtschafts- und Außenpolitik sein, sondern die Bevölkerungen.

Innenpoltisch müsste die Stärkung der Werte und Normen im Bewusstsein der Menschen gestärkt werden. So muss der Bürger lernen, Zivilcourage zu zeigen gegen jedes Unrecht in der Welt. Nicht der kleine Dieb auf der Straße muss ihn mehr aufregen, sondern der ggf. große Dieb im Parlament. Nicht der kleine Widerstandskämpfer, der in seinem Widerstand möglicherweise auch Verbrechen begeht, muss ihn mehr aufregen, sondern die Systeme und ihre Anführer, die für so unzählige Verbrechen eintreten. So müsste sich Deutschland dafür einsetzen, dass Bush und Blair vor ein internationales Tribunal gestellt und für millionenfachen Mord angeklagt werden. Auch müsste die Rolle früherer Bundesregierungen im Irak-Krieg, bei Gunatanamo und Abu Ghraib, beim Afghanistan-Krieg und ähnlichen völkerrechtswidrigen Geschehnissen untersucht und ggf. die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden zur Stärkung eines Rechtsstaates bei dem nicht allein der kleine Gauner, sondern auch die großen Verbrecher belangt werden.

Das bestehende Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland müsste intensiver und wahrhaftiger umgesetzt werden. Der Schutz der Würde des Menschen muss auch im Rahmen der Meinungsfreiheit realisiert werden. Das würde dazu führen, dass man Springer enteignet und die Bild-Zeitung abschaffen würde. Alle anderen Medien, die Journalisten haben, die durchaus gewillt sind, in einem vernünftigen Rahmen die Pressefreiheit zu verteidigen, könnten dann zum Wohl der Gesellschaft tätig werden. Da sie allerdings niemals demokratisch legitimiert wurden, müssen sie auch die Verantwortung für alles Geschriebene übernehmen und im Fall von Unwahrheiten die Konsequenzen tragen (nicht wie bisher, in der das faktisch nicht der Fall ist).

Alle gesellschaftlichen Organisationen würden gestärkt, um eine vernünftige der Gesellschaft dienliche Kultur zu unterstützen. So würde der Christophers-Street-Day genau so abgeschafft, wie Halloween. Sexualität würde wieder in den privaten Bereich begrenzt werden und nicht mehr als öffentliches Gut missbraucht werden können.

Die Gleichberechtigung der Frau muss gefördert werden. Dazu gehört, dass beide Geschlechter aufgrund ihrer Fähigkeiten und nicht aufgrund ihres Aussehens einen gesellschaftlichen Rang erreichen, der sich auch in der Rente bezahlt macht. Die Versklavung des weiblichen Körpers muss genau so ein Ende finden, wie ihre Diskriminierung in der Bildung. Auch im Ingenieursbereich sind 50% Frauen anzustreben durch geeignete Interessenweckung im Vorfeld. Aber auch die Frau, die sich dafür entscheidet als Hausmanagerin die eigenen Kinder groß zu ziehen, muss ihren vernünftigen Anteil sowohl in Form eines Gehalts erhalten, als auch in der Rente! Eine Zwansentschleierung ist genau so abzulehnen wie eine Zwangsverschleierung.

Juden, Christen und Muslime müssten gleichberechtigt für die Entwicklung der Gesellschaft eintreten und jenes Eintreten gefördert werden. Nicht der Fußballspieler wird zum „Idol“ hochstilisiert, sondern heilig wirkenden Menschen wie z.B. die Nonne im Hospiz, deren Namen niemand kennt.

Ja, und so gäbe es einige Hundert grundlegende Aspekte und einige Zahntausend Detailaspekte, für die ich eintreten könnte, damit man mich zum Bundeskanzler wählt.

Warum ich das noch nicht gemacht habe? Wie bereits erwähnt, strebe ich das Amt gar nicht an. Aber außerdem, seien wir doch einmal ehrlich zu uns selbst:

Wahrscheinlich würden viele Bürger die meisten der oben genannten Änderungen sogar unterstützen, aber nur so lange sie nicht dafür “bezahlen“ müssen, nur so lange sie nur Zuschauer sein können. Es geht uns doch allen so gut, dass sich kaum jemand dafür engagieren würde, dass seine eigenen Enkel (so er welche hat) nicht die Lasten seiner Schuldenpolitik tragen muss. Das würde aber heißen, dass wir alle (jeder von uns) zumindest eine Zeit lang sehr sehr stark unser Leben einschränken müssten, um unser Deutschland zu retten! Aber wer wäre dazu bereit? Wer glaubt denn schon, dass es wirklich sooo schlimm kommen wird? Es gab zwar die Aktienkrise, aber wer hat schon Aktien? Es gibt zwar die Opelkrise, aber wer fährt schon Opel? Die Bundesregierung druckt wie wild Geld bzw. verschleudert das Vermögen der nächsten Generationen durch Überschuldung, aber geht es mir deshalb schlechter? Zugegeben, ich muss meine Brille jetzt selbst bezahlen, aber vorher gab es ja auch nur 20 EUR für die Fielmanbrille. Und da kommt jetzt einer daher und fordert mich auf, zunächst enorme Einschränkungen hinzunehmen, warum sollte man den wählen?

Also keine Sorge Deutschland: In Deutschland wird es in absehbarer Zeit kein Kind eines Muslim geben, der Bundeskanzler werden könnte; höchstens dann, wenn er genau so ist, wie die Vertreter des bestehenden Systems bzw. diese sogar durch seine Überintegration übertrifft. Ein Migrant, der sich beim Chrostophers-Streets-Day als Homosexueller outet, einen Atomangriff auf Teheran zu präventiven Zwecken befürwortet, den Drogenanbau in Afghanistan mit noch mehr deutschen Soldaten fördern will und bereit ist, alle Deutsche Soldaten unter US-Kommando zu stellen, die 60-Studen-Woche für 1 EUR-Jobs einführen und die Krankenkasse auf Notfallpatienten beschränken will, der Chefredakteuren der Bildzeitung berufsbedingt eine Tapferkeitsmedaille zukommen lässt und Muslimen ihre Religionsausübung nur noch im Geheimen gewährt und Kopftücher für Muslimas in der Öffentlichkeit grundsätzlich verbietet (auch im Winter), der könnte möglicherweise als erstes Migrantenkind gewählt werden.

Daher schreibe ich lieber weiter Artikel für den Muslim-Markt.



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