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Re: Imam Türkyilmaz, Professor Finkelstein und das Schweigen der Mehrheit

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Von Malcolm Sylvers am 28. Februar 2010 13:09:29:

Als Antwort auf: Re: Imam Türkyilmaz, Professor Finkelstein und das Schweigen der Mehrheit von Thomas Troll am 25. Februar 2010 13:34:03:

>Sehr geehrter Hr. Sylvers,
>Sie schreiben:
>"Ihm wird außerdem zur Last gelegt, die Hizbollah und Hamas zu rechtfertigen. Sicher betrachtet Finkelstein diese Organisationen als legitimen Ausdruck sozialer Kräfte, die für die Rechte der Palästinenser kämpfen. Ohne Zweifel akzeptiert er Widerstand gegen ...."
>Ich gehe davon aus, daß Sie der gleichen Ansicht sind wie Hr. Finkelstein?
>Sicher gilt diese Aussage für den zivilen Teil dieser Organisationen - aber was ist mit den Milizen, Qassam, alAksa Bri. (Fatah) u. den militanten Splitterguppen?
>Wer Wind mit Wind bekämpft, wird Sturm (Armageddon) ernten.
>Der Frieden G.ttes ist jederzeit erreichbar.


Lieber Thomas Troll, hier einige Gedanken zu deiner Antwort:

Zum Gebrauch von Gewalt einer unterdrückten Bevölkerung (wie immer definiert durch Rasse, Religion, Sprache, nationale Identität) kommt es beinah zwangsläufig, wenn es sich in einer verzweifelten Lage befindet,
und dass dies auf die Palästinenser heute etwa in Gaza und den besetzten Gebieten zutrifft, ist beinah unbestritten. Die Kontrolle der israelischen Regierung über das alltägliche Leben in den besetzten Territorien ist fast total, etwas weniger im Fall der 20% -igen Minderheit von Palästinensern in Israel selbst. Der israelische Staat kann aber nach Belieben Häuser zerstören, Menschen verhaften, einsperren oder ermorden. Die Möglichkeiten für politischen Ausdruck in den besetzten Territorien sind sehr begrenzt—auch wenn es hier sicher Unterschiede zwischen der West Bank und Gaza gibt— und Möglichkeiten, die israelische öffentliche Meinung zu erreichen ebenso. Solidaritätsbewegungen aus dem Ausland kommen durch das Eingreifen der Israel-Lobby als quasi Gedankenpolizei fast nie zu Stande.

In dieser Lage muss man sich fragen, welche Optionen die Palästinenser überhaupt besitzen. Natürlich sollte man Gewalt gegen Menschen immer versuchen zu vermeiden. Dies ist eine immer vernünftiges philosophisches, religiöses und humanistisches Prinzip. Es hat aber meiner Ansicht nach nur in einem bestimmten historischen und politischen Zusammenhang Gültigkeit – das Beispiel des auch mit Gewaltmitteln operierenden Kampfes gegen den Faschismus zeigt dies deutlich. Das Widerstandsrecht ist, wie ich denke, ein unverzichtbarer Teil der Menschenrechte.

Aus all diesem folgt auch, dass es die Unterdrückten selbst sind, die vor der Aufgabe stehen, die Mittel ihres Widerstands zu wählen. Europäer könnten sicherlich einen friedlichen Boykott gegen israelischen Waren und Institutionen führen in der Hoffnung, dass dies die israelische Politik ändern könnte, aber man kann von den Palästinensern schlecht erwarten, dass sie sich darauf verlassen und sich einstweilen still verhalten. Vielleicht wird es große friedliche Massendemonstrationen in Israel, der West Bank und Gaza geben, die Druck auf die israelische Regierung ausüben könnten, aber bis jetzt haben pazifistischen Strategien von Palästinensern sehr wenig Erfolg gehabt, denn das rassistische und kolonialistische Israel, auch wenn kein Nazi-Staat, ähnelt viel mehr dem Deutschland der Jahre 30er Jahre als dem britischen Kolonialismus in Indien: Es lässt solche Demonstrationen überhaupt nicht zu und geht mit brutalster Gewalt gegen derartige Versuche vor.
Ein reiner Pazifismus hat sich bis jetzt für diesen Fall als wenig praktikabel erwiesen. Radikale Pazifisten—ohne Zweifel im Ausland eine wichtige Gruppe von Unterstützern der palästinensischen Causa—können nur in einem gewissen Wettlauf mit der Zeit arbeiten: Je länger alles bleibt, wie es ist, und Israel zB. von der EU überhaupt keine Stoppzeichen erhält, desto eher erscheint es für die Betroffenen, dass nur sie selbst sich helfen können, und zwar damit, mit Gewalt auf Gewalt zu antworten.



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