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Aschura 2009

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Von Fatima Özoguz am 31. Dezember 2009 17:55:34:

Ich möchte nicht über die einzelnen Ereignisse berichten, die in Kerbala stattgefunden haben, die kann man auf zahlreichen Seiten nachlesen, wie etwa hier:

http://www.eslam.de/begriffe/a/aschura.htm

Es ist nicht zu übersehen, dass sich auch die Aschura-Zeremonien in Deutschland immer weiter entwickeln. Immer mehr deutschsprachige Veranstaltungen werden abgehalten, es gibt oder zumindest eine Ansprache auf Deutsch pro Sitzung. Die Reden und Lieder werden immer ergreifender, teilweise wurden schon Trauergesänge auf Deutsch gedichtet:

http://www.muslimfeder.de/f12p48632-re- ... tml#p48632

Für jemanden, der diese Entwicklung seit über 20 Jahren verfolgt, ist es offensichtlich, dass sich besonders in der schiitischen Jugend allerhand getan hat. Unsere Jugendlichen sind gebildeter als noch die in der vorigen Generation, und auch viel aktiver.
Das ist auch sehr wichtig, aber es sind noch nicht genug! Denn wenn wir uns die Lebensgeschichten der einzelnen Gefährten von Imam Hussain (A.s) ansehen, so sehen wir, dass sie alle nicht nur die Gebildetsten in ihrer Gesellschaf
t waren, sondern auch die mit der besten Moral, Nächstenliebe, Opferbereitschaft und Hingabe an den Islam und die Wahrheit. Sie waren auch stets die Freundlichsten und Hilfsbereitesten zu allen, die ihrer Hilfe bedurften. In Überlieferungen ist zu lesen, dass Imam Hussain (a.s.) Wundmale auf den Schultern hatte, aber nicht von den Waffen der Feinde, sondern von den schweren Säcken voller Datteln und Brot, die er immer nachts an die Armen verteilte, wie es schon sein Vater Imam Ali (a.s) getan hatte.
Kurzum, sie waren in jeder Hinsicht Vorbilder und in allem die Besten. Streben wir das in ausreichendem Maße an, jeder auf seinem Gebiet? Sind viele von uns überhaupt sprachlich in der Lage, auch den Nichtmuslimen Aschura zu erklären? Wie wirkt sich Aschura auf unser Leben aus? Sind es zehn Tage, die wir in die Moschee gehen und Trauergesängen lauschen, ein wenig weinen und dann wieder weitermachen, wie bisher? Aschura darf nicht zu einem toten Ritual werden.
Es werden in diversen Foren oft Fragen gestellt, ob man zu Aschura oder im Monat Moharram allgemein gewisse Handlungen tun darf wie etwa Feuerwerk zu Sylvester abzuschießen, Feiern mit Musik und Tanz zu besuchen etc. Aber ist das außerhalb von Moharram denn etwas anderes? Imam Khomeini (qs) hatte schon darauf hingewiesen, dass wir keine aufwändigen Feiern mit viel Ausgaben und Luxus besuchen und auch keine solchen Feste veranstalten sollen, egal ob im Moharram oder nicht. Ist denn eine unsinnige Tat wie die Sylvesterböllerei weniger unsinnig, wenn dieser Tag nicht in Moharram fällt?
Wir müssen uns daran erinnern, dass es zu jeder Zeit überall Aschura und Kerbala gibt. Letztes Jahr fiel das israelische Massaker von Gaza in diese Zeit, heute sind es die vom Westen inszenierten Umsturzversuche im Iran, um nur Weniges zu nennen. Tatsächlich leiden überall auf der Welt viele unserer Geschwister Hunger und Durst, wie die Kinder von Kerbala.

Die Tragödie von Kerbala am Tage Aschura, traurig und grausam sie auch war, war die Rettung des Islam. Denn was wäre geschehen, wenn sich Kerbala nicht ereignet hätte?

Dazu müssen wir uns die Lage anschauen, wie sie sich damals darstellte. Yazid (l.a.) war von seinem Vater Mu´awiya zu dessen Nachfolger ernannt worden, obwohl er das laut Vertrag, den er mit Imam Hassan (a.s) geschlossen hatte, gar nicht durfte.

http://www.eslam.de/begriffe/f/friedens ... hasans.htm

Im Gegensatz zu seinem Vater, der wenigstens nach außen hin die islamischen Regeln pro forma einhielt, war Yazid jemand, der offen Unzucht trieb, der sich mit Affen vergnügte und öffentlich Alkohol trank. Kurzum, er hatte sämtliche Scham verloren.

Imam Hussain (a.s.) konnte sich als Vertreter der Wahrheit, des Quran und der Sunna seines Großvaters Muhammad (s.a.s) nicht dieser Unperson Yazid unterwerfen und ihm den Treueid leisten, wie dieser es verlangt hatte. Die reine Lehre des Islam, wie ihn der Prophet Muhammad (s.as) gebracht hatte, wurde nur 50 Jahre nach Ableben des Propheten (s.a.s.) mit Füßen getreten und bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, die Lage der Armen und Entrechteten verschlimmerte sich von Tag zu Tag. ‚Manche Historiker schreiben, dass es für die Ummah einer Art des „Schock“ bedurfte, um sie aufzurütteln. Denn viele Leute hatten angesichts der verbreiteten Unterdrückung im Namen des Islam schon resigniert und wagten nicht mehr, den Mund aufzumachen. Nach Aussagen der Imame ist eine Gesellschaft, in der nicht mehr das Gute geboten und das Schlechte verwehrt wird, eine tote Gesellschaft. Aschura war also das prägende Ereignis, das dazu diente, diese Gesellschaft wieder zu beleben und der Ummah die Augen zu öffnen, die Verräter und Verbrecher bloßzustellen und die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Imam Hussain (a.s.) hatte gesagt:

„Wahrlich, ich bin nicht aus Übermut ausgezogen, noch aus Missmut, noch als Verderbensstifter oder als Ungerechter, sondern ich bin nur ausgezogen um die Ummah meines Großvaters Muhammad -Friede sei mit ihm und mit seiner Familie – in Ordnung zu bringen. Ich will das Gute gebieten und das Schlechte verwehren, sowie auf dem Wege meines Großvaters Muhammad und auf dem Weg meines Vaters, Ali ibn Abi Talib wandeln“

Die Ummah musste also wieder korrigiert werden, und das war das Große Opfer, das Imam Hussain (a.s.) auf sich nehmen musste, das in Sura 37 erwähnt wird:

"Als sie sich Gott ergeben hatten, und er ihn mit der Stirn gegen den Boden hingelegt hatte, da riefen Wir ihm zu: "O Ibrahim erfüllt hast du bereits das Traumgesicht. Also lohnen Wir denen, die Gutes tun. Das war in der Tat eine schwere Prüfung. Und Wir lösten ihn aus durch ein großes Opfer." (Heiliger Qur'an 37:102-107)

Dass so ein „Großes Opfer“ lediglich in einem Schaf bestehen soll, kann wohl keiner annehmen, der genauer darüber nachdenkt. Ibrahim (a.s) wurde das Opfern seines Sohnes Ismail (a.s) erspart. Imam Hussain jedoch musste erst seine besten Gefährten und Familienangehörige opfern, darunter seinen kleinen Sohn Abdullah, der noch ein Baby war, bevor er sich selbst opferte. Das war das Große Opfer. Imam Hussain (a.s) opferte nicht nur sich selbst, er musste auch seine Kinder und seine Verwandten opfern und alles, was ihm lieb und teuer auf dieser Welt war, weil sonst der Islam völlig verschwunden wäre.

Diese Aschurafeierlichkeiten bekommen eine ganz eigene Bedeutung, wenn wir uns die Ereignisse im Iran ansehen. Dieser höchste schiitische Trauertag wurde von Marionetten des Westens dazu genutzt, ihre Propaganda zu verbreiten und Unruhen anzustiften, in deren Folge mindestens 6 Tote zu beklagen sind. Aber die Anhänger von Imam Khamenei haben reagiert und ihrerseits massenhafte Demonstrationen abgehalten, wobei sie ihre Opferbereitschaft gegenüber ihrem Imam Ausdruck verliehen.
Auch in Deutschland kam es vereinzelt zu Störaktionen von Munafiqin, aber auch da haben die Trauergemeinden besonnen reagiert.
Gestern wie heute dient also Aschura dazu, den Heuchlern die Maske herunterzureißen und ihre wahren Absichten offenzulegen.
Wer Aschura nicht versteht, kann auch nicht verstehen, was seit 30 Jahren in der Islamischen Republik Iran vor sich geht. Es wird öfter die Frage aufgeworfen, warum Imam Khamenei nicht mit harter Hand zurückschlägt. Er tut es nicht, weil er so den Menschen inner- und außerhalb Irans die Gelegenheit geben will, die wahren Verbrecher zu erkennen, wie schon ausgeführt wurde.

Leider wurde Aschura auch in anderen Ländern dazu genutzt, Anschläge auf wehrlose Teilnehmer von Trauerprozessionen zu verüben, wobei die , die sich dazu haben manipulieren lassen, wohl gar nicht wissen, wer sie da missbraucht.

Wie aber ist es mit uns? Wir sind für die Tragödie von Kerbala nicht verantwortlich und können sie nicht mehr ändern. Wir sind aber sehr wohl dafür verantwortlich, was HEUTE geschieht. Unser Imam, der Nachfahre von Imam Hussain (a.s), wird mit Krieg bedroht, sogar mit Atomwaffen, der Propagandakrieg gegen ihn läuft auf vollen Touren. Wie gehen wir damit um? Befolgen wir den Vertreter von Imam Mahdi (aj), oder werden wir ihn wieder alleinlassen, wie schon Muslim ibn Aqil (ra), der Vertreter Imam Hussains (as.) in Kufa, im Stich gelassen wurde? All diesen Fragen müssen wir uns stellen, damit wir wirklich mit vollstem Herzen "Labbayka ya Hussain" rufen können.



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