Im Namen des Erhabenen  
Abschied von Prof. Schimmel
 

 

In Erinnerung an Frau Prof. Schimmel

bulletDanksagung des Muslim-Markt für Frau Prof. Schimmel!
bulletAbschiedsgruß des Islamischen Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
bulletPressemitteilung des Zentralrat der Muslime in Deutschland
bulletPresseerklärung des Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland
bulletGMSG: Die Grand Dame der Orientalistik, Annemarie Schimmel, ist verstorben
bulletChristlich-Islamische Gedenkfeier - Pressemitteilung des Katholisches Stadtdekanats Ludwigshafen
bullet Erinnerung an Frau Prof. Schimmel
bulletEine Rose für die Liebe - Nachruf des Haqqani-Trusts
bulletBotschaft des Kulturrats der Islamischen Republik Iran
bulletFür Versöhnung zwischen den Religionen
bulletWürdige Gedenkfeier

 

Danksagung des Muslim-Markt für Frau Prof. Schimmel!

Im Namen des Allgnädigen und Allbarmherzigen Gottes

Von Gott sind wir und zu Ihm ist die Heimkehr (Heiliger Koran, 2:156).

Alle Mitarbeiter des Muslim-Markt sind auch im Namen unserer Leser dem Allmächtigen und Allbarmherzigen dankbar, die großartige Frau Prof. Annemarie Schimmel miterlebt zu haben. Es erfüllt uns mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit die Gnade erhalten zu haben, einen derart edlen Menschen gesehen und gehört zu haben und auch weiterhin ihre wunderbaren Schriften lesen zu dürfen.

In allen Gemeinschaften und Völkern gibt es von Zeit zu Zeit immer wieder besonders edle Menschen mit vorbildhaftem Charakter und dem unbändigen Streben nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Wir beten für diesen aufrichtigen und wertvollen Menschen, dass Sie direkt in die Barmherzigkeit Gottes aufgenommen werde und von Ihm reichlich belohnt werden möge für alle guten Werke, die sie in dieser Welt vollbracht hat und vor allem für die Liebe in ihrem Herzen, mit der sie in dieser Welt gewirkt hat.

Mit Trauer bestürzt uns die Nachricht, dass Sie uns verlassen hat und zu ihrem Schöpfer zurückgekehrt ist. Aber mit Dankbarkeit erfüllt uns die große Hoffnung, dass Sie jetzt in eine bessere Welt einhergehen wird! Möge Gott der Allbarmherzige in seiner unermesslichen Gnade Frau Schimmel mit dem Wunder des Ewigen Lebens voller Freude, Hingabe und Erkenntnis bereichern und ihre diesseitige Demut und Gottesehrfurcht mit den größten Geschenken im Jenseits erfüllen, wie diese nur vom größten aller Schenker kommen kann.

Wir bitten alle unsere Leser für diese gütige Frau ein Gebet zu sprechen und ihr wertvolles Lebenswerk in ehren zu würdigen.

i.A. des Muslim-Markt-Team
Dr. Yavuz Özoguz, 28.1.2003

 

Abschiedsgruß des Islamischen Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir vom überraschenden Ableben der zu Recht hochverehrten, prominenten deutschen Orientalistin und Islamwissenschaftlerin Prof. Dr.Dr. Annemarie Schimmel erfahren. Da sie vor nicht zu langer Zeit auch unser 'Zentrum' mit einem zahlreich besuchten Vortrag über 'Islamische Mystikerinnen' beehrt und sich aufgrund der spürbaren Herzlichkeit bei uns sichtlich wohl gefühlt hat, sind wir auch persönlich betroffen und fühlen uns verpflichtet, die auch von den Muslimen äußerst geschätzte 'Meisterin der Islamwissenschaften' mit einem kurzen Nachruf zu ehren.

Neben vielen anderen Leistungen hat Prof. A. Schimmel sich vor allem dadurch ausnehmend große Verdienste erworben, dass sie sich ihrem Forschungsgegenstand nicht nur mit außergewöhnlicher wissenschaftlicher Akribie und Kompetenz gewidmet hat, sondern auch ihr Herzblut bei der Übermittlung der islamischen Kultur an das Abendland schlagen ließ. Durch ihren persönlichen Einsatz und durch ihre warme Herzlichkeit war sie bekanntlich ein sehr gern gesehener Gast in verschiedenen islamischen Ländern, in denen sie auch oftmals geehrt wurde, sie wurde aber vor allem durch die intime Kenntnis der Blüten der islamischen Kultur zu deren Botschafterin im deutschen Sprachraum und in der gesamten abendländischen Welt. So war sie durch ihre zahlreichen Schriften und Vorträge, besonders aber durch durch die Eigenart und Einmaligkeit ihrer Persönlichkeit zur liebenswerten Verkörperung und zum lebendigen Symbol des unaufhaltsamen Dialogs der islamischen und abendländischen Kultur, vor allem im deutschen Sprachraum, geworden, auch nach und trotz des 11. Septembers, und sie wird in diesem Sinn hoffentlich lang über ihren Tod hinaus wirksam bleiben und viele anregen, ihren Spuren zu folgen.

Mit der bekannten Aye aus dem Heiligen Qur'an schließend, "von Gott kommen wir, und zu Ihm kehren wir zurück" gedenken wir der Verstorbenen in aufrichtiger Verehrung und stellen sie der Barmherzigkeit des Allerbarmers anheim.

Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich. 28.1.2003

 

Pressemitteilung des Zentralrat der Muslime in Deutschland

"Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück" (Koran, 2:156)

Mit großer Bestürzung und Trauer gibt der Zentralrat der Muslime in Deutschland das Ableben von Frau Professor Dr. Dr. h.c. mult. Annemarie Schimmel bekannt.

Durch ihren Tod verliert der Zentralrat ein hochgeachtetes Mitglied seines Beirats. Ihr Hinscheiden ist darüber hinaus ein Verlust für alle Muslime. In einem langen, arbeitsreichen Leben hat Frau Professor Dr. Schimmel unermüdlich für ein besseres Verständnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen gewirkt. Sie war wie kaum jemand anders aufgrund ihres umfassenden Wissens berufen, Missverständnisse über den Islam abzubauen und Brücken zwischen der Welt des Islam und der westlichen Welt zu schlagen.

Was Frau Professor Dr. Schimmel den Muslimen aber besonders nahe gebracht hat, war die große Wärme, mit der sie stets über den Islam und die Muslime sprach und schrieb. In ihr waren "ilm-wa-ishq", Wissenschaft und Liebe zum Gegenstand ihrer Studien, auf besonders glückliche Weise verbunden.

Es dürfte kein muslimisches Land geben, in dem ihr Ableben nicht zutiefst betrauert werden wird.

Frau Professor Dr. Schimmel hinterlässt eine schmerzende Lücke im Dialog der Kulturen, der ganz besonders in der heutigen Zeit von so großer Bedeutung für den Frieden in der Welt ist.

Zentralrat der Muslime in Deutschland
Eschweiler, 27.01.2003

- Die SCHURA in Hamburg schloss sich am 29.1.2003 der obigen Botschaft an!

Presseerklärung des Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland

Pressemitteilung zum Tode Frau Professor Annemarie Schimmels

Bonn, 28.01.2003

Mit tiefer Betroffenheit erfuhren die Mitgliedsverbände des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland vom Ableben Prof. Dr. Annemarie Schimmels.

Die Bundesrepublik Deutschland verliert mit Frau Schimmel eine Grenzgängerin zwischen westlicher und östlicher Kultur, die es Verstand mit ihrem profunden Wissen gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Im Islamrat haben wir Frau Schimmel als liebenswürdige Dialogpartnerin gerne zu Veranstaltungen, Lesungen und Vorträgen empfangen. Mit ihrer leisen Art und ihrem stets offenem Ohr für die Nöte und Sorgen der Menschen gewann sie Herzen der Muslime, die in ihr die Gelehrte und den Menschen verehrten.

Und so fällt uns  der Abschied von ihr schwer, den sie hinterlässt eine große Lücke.

Ali Kizilkaya
Ratsvorsitzender

 

GMSG: Die Grand Dame der Orientalistik, Annemarie Schimmel, ist verstorben

Annemarie Schimmel verstorben (1922-2003)

Mit tiefer Trauer haben wir vom Ableben der fundierten Islamkennerin Prof. Dr. Dr. h.c. mult Annemarie Schimmel erfahren. Sie war eine große Kennerin des Islams, verehrt und geachtet von Muslimen, wie Nicht-Muslimen. Durch ihre zahlreichen Bücher, Übersetzungen und Artikel hat Sie einen wesentlichen Beitrag zum besseren Verständnis des Islam im Westen beigetragen.

Die am 7. April 1922 in Erfurt geborene Wissenschaftlerinl bekam im Mai 1995 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Friedenspreis für ihr Lebenswerk zuerkannt.

Dr. Murad W. Hofmann, Botschafter a.D., schrieb aus Anlaß ihrer Biographie Morgenland und Abendland über Frau Schimmel:  Wer auch nur einige ihrer über 93 [sic!] Buchveröffentlichungen (in allen möglichen Sprachen) gelesen hat, kennt Professor Schimmel als eine hochbegabte, leidenschaftlich wissensdurstige, ungewöhnlich couragierte, abenteuerhungrige, hochproduktive, humorvolle und ganz uneitle Frau, aber auch als empfindsame, überaus romantische Dichterin von tiefer Naturfrömmigkeit. Auch für muslimische Sozial- und Geisteswissenschaftler ist Frau Schimmel ein geistiges Vorbild im Bereich Forschung und Lehre und hinterläßt eine nicht zu füllende Lücke. GMSG Vorstand

 

Christlich-Islamische Gedenkfeier

Pressemitteilung des Katholisches Stadtdekanats Ludwigshafen

Christlich-Islamische Gedenkfeier zum Tod von Annemarie Schimmel im Heinrich Pesch Haus, Ludwigshafen

Ludwigshafen. (kah) Die weltweit bekannte Orientalistin und Trägerin des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Annemarie Schimmel, starb am 26. Januar in Bonn im Alter von 80 Jahren.

Aus Anlass ihres Todes findet am Sonntag, den 2. Februar 2003, um 17 Uhr eine christlich-islamische Gedenkfeier im Heinrich Pesch Haus, Ludwigshafen statt.

Gemeinsam mit dem MEVLANA-Zentrum für Sufikultur, Ludwigshafen, und dem Verein für altorientalische Musik Gayanschala, Mannheim, will das Heinrich Pesch Haus dem besonderen Engagement von Professorin Annemarie Schimmel für den christlich-islamischen Dialog gedenken.

"Professorin Annemarie Schimmel war sicher die bedeutendste Orientalistin und eine der wichtigsten Islamwissenschaftlerinnen unserer Zeit. Sie hat wesentlich dazu beigetragen Brücken der Verständigung zwischen Christen und Muslimen zu bauen.", erklärt Pater Wilfried Dettling SJ, katholischer Islambeauftragter der Diözese Speyer. So sei gerade heute in einer Zeit, die oftmals von Spannungen zwischen den verschiedenen Kulturen geprägt ist, der Dialog unerlässlich.

Ihre besondere Verbundenheit zum Heinrich Pesch Haus drückte Annemarie Schimmel auch in ihrer 2002 erschienen Biografie aus: "Da waren Vorträge am Heinrich Pesch Haus, dem Jesuitenzentrum in Ludwigshafen, wo ich gern sprach, um so mehr, als die Patres einige liebenswerte Katzen hatten, deren eine sich manchmal im Vortragssaal meine weisen Worte über Mystik oder Dichtung anhörte."

Annemarie Schimmel wurde 1922 in Erfurt geboren und erlernte die arabische Sprache bereits mit 15 Jahren. Es folgten das Studium der Arabistik und Islamwissenschaft und die Promotion in Berlin, sowie die Habilitation 1946 in München. Nach Stationen an den Universitäten in Marburg, Ankara und Bonn wurde sie 1967 zunächst als Dozentin, ab 1970 als Professorin für indo-muslimische Kultur an die Harvard University (USA) berufen. 1995 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie wurde in zahlreiche in- und ausländische Akademien berufen und erhielt viele Preise und Auszeichnungen, u.a. die Ehrendoktorwürde der Universität Teheran. Annemarie Schimmel galt als profunde Kennerin des Islam und hat mehr als 100 Bücher, Essaysammlungen und Vorlesungen veröffentlicht und aus dem Arabischen, Persischen, Türkischen, Urdu und Sindhi übersetzt.

 

Eine Rose für die Liebe - Nachruf des Haqqani-Trusts

Am letzten Sonntag, dem 26.Januar, verstarb die berühmte Orientalistikprofessorin und Sufi- Forscherin Annemarie Schimmel im Alter von 80 Jahren in Ihrem Heimatort Bonn. Sie war in der ganzen Welt für Ihre Verdienste um die Erforschung des Islam und der islamischen Mystik (Sufitum) hoch geachtet und geschätzt, was sich insbesondere auch in mehreren Ehrenprofessuren und Doktorwürden zeigt. Durch ihr unermüdliches Werk, ihre vielen Bücher und Vortragsreisen ermöglichte sie den Menschen im Westen einen tiefen Einblick in das Wesen und die Werte des Islam und förderte damit in außerordentlichem Maße Toleranz und Verständnis für den Islam im Westen. Der islamische Mystiker Jalaluddin Rumi mit seiner Liebespoesie und -mystik, deren Zeichen die Rose ist, lag Ihr besonders am Herzen und sie verbrachte einen großen Teil Ihres Lebens mit der Erforschung und Übersetzung seiner Werke. Anläßlich ihrer Beerdigung am kommenden Dienstag,dem 4. Februar 2003 um 12.30 Uhr auf dem Poppelsdorfer Friedhof in Bonn bittet der HAQQANI TRUST - Verein für junge deutsche Muslime e.V. die in Deutschland lebenden Muslime , ihrer im Gebet zu gedenken und, wenn möglich, eine Rose auf ihr Grab zu legen.

Ahmad Abdul-Waddud Weis Ahmad Kreusch 
Vorstand HAQQANI TRUST

Botschaft des Kulturrats der Islamischen Republik Iran

IM NAMEN DES BARMHERZIGEN UND GNÄDIGEN GOTTES

„WIR GEHÖREN ZU GOTT UND ZU IHM KEHREN WIR ZURÜCK."
( Koran Sure 2,l Vers 156 )

"Der stirbt niemals, dessen Herz in Liebe lebt. 
Verewigt bleibet er in unserem Weltenbuche."
(Hafiz)

Die Nachricht über das Verlöschen des glänzendsten Sterns im Himmelszentrum der deutschen Orientalistik, der hoch verehrten Frau Prof. Dr. Annemarie Schimmel, erreicht uns in einer Zeit, als sie im Strahlenkranz ihres erhabenen Standortes in einem Maße leuchtete, das dies noch nach Jahrhunderten fortwirken wird.

Im Durcheinander der allgemeinen Informationsflut war sie eine aufrichtige und geradlinige Botin, die die wahrnehmbare Wirklichkeit und die nicht wahrnehmbare Wahrhaftigkeit des Lebens von muslimischen Frauen und Männern in ihrem klaren, die Welt widerspiegelnden Herzen wiederfand und all dem mit ihrem umfassenden und tiefen Wissen in Wort und Schrift auf wunderbare Art und Weise Glanz verlieh.

Ohne Zweifel haben die der Kultur zugeneigten Menschen in Deutschland eine weise und große Islamgelehrte verloren, die mit den ewig Unvergessenen wie Goethe, Rückert und Rilke in einer Reihe steht und den muslimischen Frauen und Männern der ganzen Welt eine sehr liebe Freundin und eine Stütze war, die beinahe ohne Beispiel ist, sodass die Trauer über diesen großen Verlust über lange Zeit anhalten wird.

Unser aufrichtiges Beileid gilt dem hoch geschätzten deutschen Volk und da insbesondere den Orientalisten, Islamwissenschaftlem und Iranisten sowie der ehrwürdigen Universität Bonn, aber auch den muslimischen Frauen und Männern in Deutschland und der Welt, die ihr auch weiterhin in innigster Freundschaft verbunden bleiben und mit größter Begeisterung ihre Werke und lesen werden. Ebenso drücken wir im Namen der in Deutschland ansässigen Iranerinnen und Iraner unsere tiefe Anteilnahme bei der Trauerfeier für die große Islamgelehrte und Freundin des Islam aus.

DIE KULTURABTEILUNG DER BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN IN BERLIN

Für Versöhnung zwischen den Religionen

Bonner General Anzeiger Kultur 4.2.2003

600 Freunde, Weggefährten und Schüler nehmen in einem Trauergottesdienst in der Bonner Kreuzkirche Abschied von der Religionswissenschaftlerin und Orientalistin Annemarie Schimmel

Von Sandra Kreuer

Bonn. "Ich bin seit meiner Jugend neugierig, wie es im Jenseits aussieht. Lasst mich gehen", hatte Annemarie Schimmel fast heiter zu Freunden gesagt, bevor die 80-Jährige am 26. Januar nach kurzer Krankheit in Bonn starb. Am Dienstag nahmen rund 600 Freunde, Weggefährten und Schüler in einem Trauergottesdienst in der Evangelischen Kreuzkirche - ihrer "Hauskirche" - Abschied von der Religionswissenschaftlerin und Orientalistin von Weltrang.

Um 9.30 Uhr, eineinhalb Stunden vor Beginn, war die Kirche für die Gäste geöffnet worden, die sich in zwei Kondolenzbücher eintragen wollten. In der Umgebung des Gotteshauses hatte sich währenddessen ein Dutzend Beamter der Bonner Polizei postiert. Nicht aus "Sicherheitsbedenken", wie Einsatzleiter Uwe Hüngsberg betonte, sondern "hauptsächlich" zur Regelung des Verkehrs.

Aber so ganz unbeeinflusst von der Gästeliste dürfte der Einsatz nicht gewesen sein; sie verzeichnete Bonns OB Bärbel Dieckmann, die Botschafter aus Syrien, dem Senegal, Jemen, Pakistan und Saudi-Arabien, Aman Hobohm, den ehemaligen Direktor der König-Fahad-Akademie, Verleger Wolfgang Beck vom Münchner C.H. Beck Verlag oder Saudi-Arabiens ehemaligen Ölminister Ahmed Saki el-Jamani. Hassan von Jordanien hatte wegen einer Grippe abgesagt, Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte einen Kranz geschickt.

Doch waren das auch die einzigen Zufälligkeiten einer Trauerfeier, über die sich Annemarie Schimmel schon zu Lebzeiten Gedanken gemacht hatte. Schuberts "Der Tod und das Mädchen" sollte gespielt werden und die erste Sure des Korans am mit weißen Rosen - ihren Lieblingsblumen - geschmückten Sarg rezitiert werden. Ein "Zeichen der Versöhnung zwischen den Religionen" wie es Stefan Wild, Professor für Semitische Philologie und Islamwissenschaft der Universität Bonn, in seiner Rede nannte.

Diese Aufgabe, mit der einmal mehr der Ruf Schimmels als "Brückenbauerin zwischen Orient und Okzident" unterstrichen wurde, übernahm ihr langjähriger Vertrauter Ahmed Saki el-Jamani, der bereits am Vortag der Feier am offenen Sarg ein selbst kreiertes Parfum versprüht hatte. Persönlich geprägt war denn auch die Ansprache von Pfarrer Gerhard Schäfer, der sich auf den Konfirmationsspruch Schimmels aus dem Buch des Propheten Jesaja als wichtigen Schlüssel zu ihrer "enormen Lebensleistung" bezog. "Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft; dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler; dass sie laufen und nicht matt werden; dass sie wandeln und nicht müde werden."

Pfarrer Schäfer zeichnete die Verstorbene als unermüdlichen Menschen mit viel Witz und "unerschöpflicher Neugier", der "den Blick hinter den Vorhang, ins Paradies" wollte. Ihr Tod hinterlasse eine "Lücke in den Herzen und im Dialog der Kulturen". Klaus Borchard, Rektor der Bonner Universität, erinnerte daran, dass Schimmel einst auf die Frage, ob Muslime an den gleichen Gott wie Christen glauben würden, mit "Es gibt doch nur einen" geantwortet hätte. Borchard: "Die Uni Bonn verneigt sich in großer Ehrfurcht und tiefer Dankbarkeit." Als "Weltbürgerin" kennzeichnete OB Dieckmann Schimmel, als "Unesco character" würdigte sie der Präsident der Generalversammlung der Unesco in Paris, Ahmad Jalali. Aman Hobohm unterstrich, dass "Annemarie Schimmel uns gezeigt hat, dass es noch etwas anderes gibt jenseits von Kopftuch und Schächten".

Annemarie Schimmel wurde auf dem Friedhof in Poppelsdorf beigesetzt. Neben ihrer Mutter, die noch auf dem Südfriedhof beerdigt ist und im Spätsommer umgebettet werden soll, wollte sie ihre letzte Ruhe finden. Ursprünglich hatte Schimmel ein Grab in Pakistan in Erwägung gezogen.

 

Würdige Gedenkfeier

Rheinpfalz Online Lokales 4.2.2003

Rund 80 Christen und Muslime sind am Sonntagabend ins Heinrich-Pesch-Haus (HPH) gekommen, um der vor einer Woche gestorbenen Orientalistin Annemarie Schimmel, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und regelmäßiger Gast im HPH, zu gedenken. Wir sprachen mit Pater Wilfried Dettling über die mit dem Mevlana-Zentrum für Sufi-Kultur und dem Verein für altorientalische Musik Gayanschala kurzerhand organisierte christlich-islamische Zeremonie.

Herr Dettling, sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Sehr. Die gut 80 Besucher beider Religionen sind aus der ganzen Region angereist. Die Begrüßung hat Pater Werner Holter übernommen, Annemarie Schimmels Leben hat Nuredin Sariyildiz von der Ludwigshafener Aya Sofia Moschee gewürdigt, Halil Cayan vom türkischen Kulturverein hat aus dem Koran rezitiert und Merdan Gynes vom Islamischen Verein in Mutterstadt hat über das "Brückenbauen zwischen den Religionen" gesprochen, um einige Programmpunkte zu nennen.

Wie eng war Schimmels Bezug zu Ludwigshafen?

Sie fühlte sich der Stadt wie dem Jesuitenorden eng verbunden, war mindestens einmal pro Jahr bei uns zu Gast. Sie war auf dem Laufenden über unseren christlich-islamischen Dialog und hat ihre besondere Verbundenheit zum Pesch-Haus auch in ihrer Biografie liebevoll erwähnt. Sie ist ein Segen für uns alle gewesen. (ala/Archivfoto: Kunz)

 

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