Sabra und Schatilla
Das Massaker von Sabra und Schatilla 1982
Von Professor Dr. Ahmad Al-Tal
Professor Dr. Ahmad Tell, jordanischer Herkunft, ist Dekan am Zarka Private
National Community College. 1980 erhielt er die Ehrenauszeichnung von der
American Association of Colleges for Teacher Education. Er ist Autor mehrerer
Bücher und Publikationen und verfasste 1997 einen Bericht über den früheren
Premierminister Samir Rifai und der palästinensischen Sache. Er war Offizier in
der Arabischen Legion von 1946 1950 und Kämpfte im arabisch-israelischen
Krieg 1948.
Das Massaker von Sabra und Schatilla ist eines der
barbarischsten Geschehnisse in der jüngsten Geschichte. Tausende unbewaffnete
und verteidigungslose palästinensische Flüchtlinge alte Männer, Frauen
und Kinder wurden in einer grausamen Vernichtungsaktion ermordet. Am 16.
Dezember 1982 verurteilten die Vereinigten Nationen dieses Massaker und
erklärten es zum Genozid.
Hintergrund
Das Massaker von Sabra und Schatilla war das Ergebnis der Allianz
zwischen Israel und der Falangisten. In seinem langjährigen Krieg
gegen palästinensischen Nation und der PLO (Palestine Liberation Organization)
fand Israel in den Falangisten einen Alliierten. Trotz der Tatsache,
dass Israel selbst Ufer den palästinensischen Exodus verantwortlich ist,
führte die gemeinsame Feindseligkeit gegenüber den Palästinenser zu einer
geheimen Allianz von Israel und den Falangisten. Im Rahmen dieser
Allianz wurden die Soldaten von Israel mit Geld und Waffen beliefert, um die PLO
im Libanon zu bekämpfen.
Da bereits 1948 Terror zum Auszug sehr vieler Palästinenser führte und
dieses ein allgemeines Ziel der israelischen Führer und der Falangisten war, war die Motivation hoch, diesmal aus dem Libanon einen neuen
Exodus durchzuführen. Das Massaker war keinesfalls ein spontaner Akt zur
Vergeltung des Mordes an Baschir Gamayel sondern ein im voraus geplanter Akt,
welcher den Auszug von Palästinenser aus Beirut und anderen Teilen Libanons zum
Ziel hatte. In ihrem politischen Kampf und Massenmordaktionen an Zivilisten,
inklusive Frauen, Kinder und Alte, hinterließ Israels Teilnahme an früheren
Massakern an Palästinenser bereits schlimme Erinnerungen.
Israel besetzt West Beirut
die Entscheidung West Beirut zu besetzen wurde von Premierminister
Menachem Begin und Verteidigungsminister Ariel Scharon getroffen, obwohl dies
eine Missachtung des Waffenstillstandsabkommen der Einigung über die Räumung
der PLO regelte. Es war auch ein Wortbruch Israels an Präsident Reagan, den
Westen Beiruts nach dem Abzug der PLO nicht mehr zu betreten. Am Morgen des 15.
September 1982, zogen, trotz der Proteste aus dem Libanon und der USA, die
israelischen Streitkräfte in West Beirut ein und besetzten es komplett während
des Nächsten Tages. Sie zogen nicht in Sabra und Schatilla ein, sondern
umzingelten und grenzten die Städte mit Soldaten und Panzern ein. Die
Entscheidung, die libanesische Miliz in Sabra und Schatilla eindringen zu
lassen, kam, nach Aussage vor der israelischen Aufklärungskommission, von
Rafael Eitan, Israels Stabschef, wurde von ihm und Scharin am 14. September 1982
getroffen. Nachfolgend fanden Treffen zwischen diesen beiden Militärchefs und
den Kommandeuren der libanesischen Miliz der Falange statt in denen sie den Einmarsch in
die Lager koordinierten. Nachdem die Entscheidung, die Milizen in die Lager
einmarschieren zu lassen, vom israelischen Kabinett am 16. bestätigt wurde,
wurde sie durchgeführt.
Das Massaker
Drei Einheiten von je 50 Milizen standen am Donnerstag Nachmittag des
16. September 1982 an der Grenze von Sabra und Schatilla und warteten auf
Befehle des israelischen Militärkommandos. Um 17.00 Uhr wurden sie, wie vorher
geplant, in die Flüchtlingslager geschickt wo sie dann mit ihrem Massaker
anfingen, das bis zum Samstagmorgen, 18. September andauerte. Laut General Amir
Drori, Kommandeur der israelischen Streitkräfte im Libanon und Stabschef, traf
sich Rafael Eitan mit dem Anführer der libanesischen Miliz im Osten
Beiruts am Freitag Nachmittag und gratulierte den Soldaten zu ihrer
reibungslosen Militäroperation in den Lagern. Während diesem Treffen bat der
Anführer der Soldaten um Planierraupen. Mindestens Eine wurde ihm zugeleitet.
Mit diesen Planierraupen wurden Massengräbern ausgehoben, die dann mit den
Körpern der Opfer, die die Strassen überhäuften, gefüllt wurden. Außerdem
wurden eine Reihe von Häusern niedergewalzt um die Körper zu bedecken. Eine
Beschreibung des Geschehens wurde von Loren Jenkins von der Washington Post am
23. September 1982 gegeben:
"Als am Samstagmorgen ausländische Ermittler in Schatilla eintrafen,
bot sich uns eine Szene aus einem Alptraum. Frauen klagten über den Tod ihrer
Angehörigen, unter der heißen Sonne, begannen die Körper anzuschwellen, und
die Strassen waren überfüllt von verbrauchten Patronen. Häuser wurden
zerbombt und zu Schutt niedergewalzt, viele obwohl die Bewohner noch drinnen
waren. Körper lagen gruppenweise vor durchlöcherten Wänden, sie wurden
offensichtlich exekutiert. Andere lagen zerstreut auf den Strassen,
offensichtlich erschossen, als sie versuchten sich zu retten. Jede der kleinen
Gassen und menschenleeren Gebäude, in denen die Palästinenser seit ihrer
Vertreibung und Errichtung des israelischen Staates 1984 gelebt hatten,
erzählte seine eigene Horrorgeschichte." Ralph Schoenman und Mya Shone,
zwei amerikanische Journalisten, die sechs Wochen im Libanon verbracht haben,
haben vor dem International Untersuchungsausschuss ausgesagt; nachfolgend ein
Auszug aus ihrer Aussage:
"Als wir am Samstag, 18. September 1982, dem letzten Tag des Mordens, in
Sabra und Schatilla eintrafen, sahen wir überall Körper. Wir haben Opfer
fotografiert, die mit Äxten und Messern verstümmelt wurden. Nur wenige der
Menschen die wir fotografiert haben, waren bewaffnet. Anderen wurden die Köpfe
zerschellt, die Augen entfernt, die Kehle durchgeschnitten, Haut von ihren
Körpern gezogen. Glieder entfernt, manchen wurden sogar die Innereien
entnommen. Die Terroristen fanden sogar Zeit, die palästinensischen Gebiete zu
plündern. Sie nahmen Bücher, Manuskripte und andere Kulturgegenstände aus dem
palästinensischen Forschungszentrum in Beirut.
Die Zahl der Opfer
Die genaue Anzahl der Opfer des Massakers wird wahrscheinlich niemals
bestimmt werden. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes zählte 1.500 aber
bis zum 22. September wurde diese Zahl auf 2.400 erhöht. Am nachfolgenden Tag
wurden 350 weitere Körper entdeckt, so das die Summe 2.750 erreichte. Kapeliouk
weist darauf hin, dass zu der Zahl der nach dem Massaker gefundenen Körper,
drei andere Opferkategorien hinzugerechnet werden müssen: (a) diejenigen, die
in den Massengräbern lagen und deren Anzahl nicht definiert werden konnte, weil
die libanesischen Behörden, das Öffnen der Gräber verboten hatte, (b)
diejenigen, die unter den Häuserruinen begraben lagen; und (c) diejenigen, die
lebend an unbekannte Orte gebracht wurden und niemals wieder auftauchten. Einige
Körper dieser Opfer wurden an Straßenrändern gefunden. Kapeliouk behauptet,
dass die Anzahl der gesamten Opfer zwischen 3.000 und 3.500 beträgt. Ein
Viertel dieser Opfer waren Libanesen, der Rest Palästinenser.
Verweis :1. Cattan, Henry, The Palestine
Question, Croom Helm, London, New York, 1998.
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