Im Namen des Erhabenen  
  Palästina-Spezial
 

Rachel Corrie (ISM-Foto)Photostory Rahel Corrie

Familie von Rachel Corrie bringt Israel schließlich auf die Anklagebank

Diese Seite wurde aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. 

Erste Quelle: Nigel Parry u. Arjan El Fassed - Electronic Intifada 16.03.2003 – Znet

Wir wünschen dieser Heldin der Wahrheit und Wahrhaftigkeit Gottes Segen und ewige Glückseligkeit! Siehe auch:

- "Freiwillige" Selbstzensur - "My Name Is Rachel Corrie" in Kanada abgesagt

Ein Freiwilliger der 'Internationalen Solidaritätsbewegung' (ISM) hält Rachel Corries US-Pass hoch. Der Aktivist daneben hat einen Schock. Diese Szene spielte sich im Al-Najjar-Hospital in Rafah / Okkupiertes Gaza ab. Rachel Corrie war von einem israelischen Bulldozerfahrer getötet worden, als sie gegen den Abriß eines palästinensischen Hauses protestierte. (Mohammad Al-Moghair)

  Ein Freiwilliger der 'Internationalen Solidaritätsbewegung' (ISM)
		  hält Rachel Corries US-Pass hoch. Der Aktivist daneben hat einen
		  Schock. Diese Szene spielte sich im Al-Najjar-Hospital in Rafah /
		  Okkupiertes Gaza ab. Rachel Corrie war von einem israelischen Bulldozerfahrer
		  getötet worden, als sie gegen den Abriß eines palästinensischen Hauses protestierte. (Mohammad Al-Moghair)Am 16. März 2003 wurde die 23-jährige amerikanische Friedensaktivistin Rachel Corrie in Rafah, Okkupiertes Gaza, von einem israelischen Bulldozerfahrer ermordet. Rachel Corrie stammt aus Olympia/Washington. Sie hielt sich in Gaza auf, um als Freiwillige der 'Internationalen Solidaritätsbewegung' gegen das Niederbulldozern eines palästinensischen Hauses zu protestieren. E-mail-Report des 'Palestine Monitor': "Rachel Corey (!), 23 Jahre alt, aus dem US-Staat Washington, starb, als sie versuchte, israelische Armee-Bulldozer davon abzuhalten, ein palästinensisches Heim niederzureißen. Mehrere andere Ausländer, die auch dabei waren, gaben an, der Bulldozerfahrer hätte gewusst, dass Rachel da war u. hätte dennoch weitergemacht mit dem Abriß des Hauses. Er hätte Sand u. schwere Trümmerteile auf die junge Frau gehäuft und sie anschließend mit dem Bulldozer zu Boden geworfen; dann sei er über sie hinweggefahren. Dabei wurden Rachel beide Arme, Beine sowie der Schädel gebrochen. Man brachte sie ins Krankenhaus, wo sie später starb. Ein zweiter Ausländer wurde gleichfalls verletzt u. musste ins Krankenhaus gebracht werden - über dessen Nationalität ist bislang nichts bekannt". 

Aus dem Pressetext der ISM:

"Rachel hat in Häusern von Palästinensern mitgelebt, die von illegalem Abriss bedroht sind. Heute stellte sie sich zusammen mit anderen gewaltlosen internationalen Aktivisten vor ein Haus, das illegalerweise abgerissen werden sollte. Laut Zeugenaussagen wurde sie von einem israelischen Armee- Bulldozer zweimal überrollt, als dieser das palästinensische Haus niederriss. Die Zeugen sagen aus, Rachel wäre für den Bulldozerfahrer klar sichtbar gewesen. Sie hätte nichts getan, was den Angriff provoziert hätte."

Die folgenden Fotos beweisen klar: Rachel war sichtbar gekennzeichnet, sie hatte ein Megaphon, u. sie stellte für den Bulldozerfahrer keinerlei Bedrohung dar:

Rachel Corrie stellt den Bulldozerfahrer zur Rede (Foto: ISM) Rachel Corrie stellt den Bulldozer-fahrer zur Rede (Foto: ISM) 
 Hier wird deutlich, dass Rachel markierte Kleidung trägt,sie hält ein Megaphon u. spricht mit dem Bulldozerfahrer,
	 der gerade dabei ist, ein palästinensisches Haus niederzureißen.
	 Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM) Hier wird deutlich, dass Rachel markierte Kleidung trägt, sie hält ein Megaphon u. spricht mit dem Bulldozerfahrer, der gerade dabei ist, ein palästinensisches Haus niederzureißen. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)
  Friedensaktivisten kümmern sich um  Rachel, nachdem sie durch den Bulldozer verletzt wurde.
		  Rafah, okkupiertes Gaza, am 16. März 2003. Friedensaktivisten kümmern sich um Rachel, nachdem sie durch den Bulldozer verletzt wurde. Rafah, okkupiertes Gaza, am 16. März 2003.
  Man sieht, wie Rachel Corrie, tödlich verletzt durch den israelischen Bulldozer,
		  am Boden liegt. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM) Man sieht, wie Rachel Corrie, tödlich verletzt durch den israelischen Bulldozer, am Boden liegt. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)
  Rachel im Najjar-Hospital in Rafah, Okkupiertes Gaza. Die israelische Tageszeitung 'Ha'aretz' berichtet,
		  laut Dr. Ali Mussa, Arzt des Hospitals, war Rachel Corries Tod Folge Rachel im Najjar-Hospital in Rafah, Okkupiertes Gaza. Die israelische Tageszeitung 'Ha'aretz' berichtet, laut Dr. Ali Mussa, Arzt des Hospitals, war Rachel Corries Tod Folge "von Brüchen im Kopf- und Brustbereich" (Mohammad Al-Moghair)

Ein späterer Bericht des ISM-Medienkoordinators Michael Shaikh / Beit Sahour gibt Aufschluss über weitere Details der Geschehnisse:

"Die Konfrontation zwischen den ISM-Leuten u. der Israelischen Armee hatte bereits 2 Stunden gedauert, als Rachel überfahren wurde. Rachel u. die übrigen Aktivisten hatten sich klar als unbewaffnete internationale Friedensaktivisten zu erkennen gegeben - während der gesamten Konfrontation. Derzeit versucht die Israelische Armee, Rachel lächerlich zu machen u. behauptet, sie sei vor den Bulldozer gerannt u. durch einen Unfall ums Leben gekommen. Augenzeugen des Mordes widersprechen dieser Version kategorisch. Vielmehr war es so, dass Rachel dem Bulldozer im Weg saß. Er kam auf sie zugefahren. Als sie sah, dass der Bulldozer offensichtlich weder halten noch ausweichen werde, stieg sie auf einen Haufen Erde u. Trümmer, um dem Fahrer direkt in die Augen zu sehen, aber der fuhr dennoch weiter. Sie trug eine fluoreszendierende Jacke. Der Bulldozer fuhr weiter, sodass sie unter den Erdhaufen gezogen wurde (auf dem sie zuvor gestanden hatte). Nachdem sie darunter verschwunden war, fuhr der Fahrer einfach weiter, bis der Bulldozer auf ihr stand. Der Fahrer hob die Bulldozer-Schaufel nicht an, sodass Rachel von ihr erdrückt wurde. Schließlich fuhr der Bulldozer zurück. Die 7 andern ISM-Aktivisten, die an der Aktion beteiligt waren, rannten sofort hin, um Rachels Körper aus der Erde zu graben. Eine Ambulanz brachte sie ins Al-Najjar-Hospital, wo sie starb".

Rachels Kameraden trösten einander im Hospital von Najjar, Rafah,
Okkupiertes Gaza. Laut 'Ha'aretz' wurde noch ein zweiter Aktivist - an
gleicher Stelle - verletzt (Mohammad Al-Moghair). Rachels Kameraden trösten einander im Hospital von Najjar, Rafah, Okkupiertes Gaza. Laut 'Ha'aretz' wurde noch ein zweiter Aktivist - an gleicher Stelle - verletzt (Mohammad Al-Moghair).

"Es war ein bedauerlicher Unfall", wird der Sprecher der 'Israelischen Verteidigungskräfte' (!), Hauptmann Jacob Dallal in der 'Ha'aretz' zitiert. "Wir hatten es hier mit einer Gruppe Aktivisten zu tun, die sich äußerst unverantwortlich benahmen. Sie haben jeden gefährdet". Soldaten der Israelischen Armee bzw. mit ihnen verbundene paramilitärische Einheiten der israelischen Siedler sind verantwortlich für den Tod von 2 181 Palästinensern. 22 218 wurden verletzt (Zeitraum: 29. Sept. 2000 - 14. März 2003).

Außer Rachel Corrie, die von einem israelischen Bulldozerfahrer getötet wurde, starben während dieser Intifada durch die Hand der Israelischen Armee noch weitere Ausländer bei verschiedenen Anlässen, so der deutsche Arzt Harald Fischer, der italienische Kameramann Rafaeli Ciriello u. der britische UN-Mitarbeiter Iain Hook.

Dieser (obige) Beitrag wurde zusammengestellt von Nigel Parry u. Arjan El Fassed (Gründungsmitglieder der 'Electronic Intifada') unter Mitarbeit von Michael Brown u. Ken Harper.

Am Tag nach ihrem Martyrium liefen Palästinenser auf den Straßen Palästinas mit amerikanischen Flaggen in Gedenken an Rachel Corrie einen Trauerzug, mit Flaggen, die sie sonst verbrennen würden!

"Mir ist es erlaubt, das Meer zu sehen" - Rachel Corrie schrieb ihrer Familie.

Internationale Presseveröffentlichung, 17. März 2003 der Gush Shalom

[Wir leiten die traurige aber mutige Stellungnahme von den Eltern von Rachel Corrie weiter, gefolgt von einem bewegenden "Brief aus Palästina", den sie ihnen am 7. Februar 2003 schrieb, zwei Wochen nach ihrer Ankunft im Gaza Streifen.] 

16. März 2003

"Wir durchgehen nun eine Zeit des Trauerns und Nochherausfindens der Einzelheiten hinter dem Tod von Rachel im Gaza Streifen. Wir haben alle unsere Kinder dazu erzogen die Schönheit der globalen Gemeinschaft und Familie zu schätzen und sind stolz, dass Rachel ihre Überzeugungen leben konnte. Rachel war erfüllt von Liebe und einem Pflichtgefühl für ihre Mitmenschen, wo immer sie auch lebten. Und, sie hat ihr Leben gegeben um diejenigen zu schützen, die sich nicht selber schützen können.

Rachel schrieb uns aus dem Gaza Streifen, und wir möchten den Medien gerne ihre Erfahrungen in ihren eigenen Worten in dieser Zeit mitteilen.

Danke.

Craig and Cindy Corrie, Eltern von Rachel Corrie 

Auszüge aus einer Email von Rachel vom 7. Februar 2003.

Ich bin nun seit zwei Wochen und einer Stunde in Palästina und ich habe immer noch kaum Worte um zu beschreiben, was ich sehe. Es ist für mich am schwierigsten, daran zu denken, was hier geschieht, wenn ich hier sitze und in die Vereinigten Staaten schreibe ­ etwas über das so gut wie sichere Portal zum Luxus. Ich weiß nicht, ob viele der Kinder hier je gelebt haben ohne Panzergranatenlöchern in ihren Wänden und den Türmen einer Besatzungsarmee, die sie ständig vom nahen Horizont bewacht. Ich glaube, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, dass selbst die kleinsten dieser Kinder verstehen, dass das Leben anderswo nicht so aussieht wie hier. Ein Achtjähriger war, zwei Tage bevor ich hier ankam, von einem israelischen Panzer erschossen worden, und viele der Kinder murmeln mir seinen Namen zu, ³Ali² -- oder zeigen auf die Plakat mit ihm an den Wänden. Die Kinder lieben es auch, mir beim Üben meines begrenzten Arabisch zu helfen indem sie mich fragen "Kaif Sharon?" "Kaif Bush?" und sie lachen, wenn ich in meinem beschränkten Arabisch zurücksage "Bush Majnoon" "Sharon Majnoon". (Wie ist Sharon? Wie ist Bush? Bush ist verrückt. Sharon ist verrückt.) Natürlich ist dies nicht ganz das, was ich glaube, und einige der Erwachsenen, die Englisch können, korrigieren mich: Bush mish Majnoon... Bush ist ein Geschäftsmann. Heute versuchte ich zu lernen "Bush ist ein Werkzeug" zu sagen, aber ich glaube nicht, dass ich es ganz richtig übersetzt habe. Aber immerhin, es gibt hier Achtjährige, die mehr von dem Zusammenwirken der globalen Strukturen verstehen, als ich vor ein paar Jahren gewusst habe -- zumindest was Israel betrifft.

Nichtsdestoweniger, ich denke darüber nach, dass kein unfangreiches Lesen, Besuchen von Bildungsveranstaltungen, Sichten von Dokumenten und mündliche Überlieferung mich auf die Realität der Situation hier hätte vorbereiten können. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, wenn ihr es nicht selbst gesehen habt, und selbst dann wird es euch immer bewusst, dass eure Erfahrung nicht die ganze Realität ist: was gäbe es für Schwierigkeiten, der sich die israelische Armee gegenüberstehen sähe, falls ein unbewaffneter US Staatsbürger erschossen würde, und was ist mit der Tatsache, dass ich Geld habe um Wasser zu kaufen, wenn die Armee Brunnen zerstört, und natürlich der Tatsache, dass ich die Möglichkeit habe, wegzugehen. Keiner in meiner Familie ist beim Autofahren von einem Raketenwerfer aus einem Turm am Ende einer größeren Straße in meiner Heimatstadt erschossen worden. Ich habe ein Heim. Mir ist es erlaubt, das Meer zu sehen. Offensichtlich ist es für mich ganz schwierig, für Monate oder Jahre ohne einen Prozess festgehalten zu werden (dies, weil ich eine weiße US Bürgerin bin, im Gegensatz zu so vielen anderen). Wenn ich zur Schule oder Arbeit gehe, kann ich relativ sicher sein, dass kein schwer bewaffneter Soldat auf halben Wege zwischen Mud Bay und dem Stadtzentrum von Olympia an einem Checkpoint wartet -- ein Soldat mit der Macht zu entscheiden, ob ich meinen Geschäften nachgehen darf, und ob ich nach Hause gehen darf, wenn ich fertig bin. So, wenn ich Empörung fühle bei der Ankunft und dem kurzen und unvollständigen Eintreten in die Welt, in der diese Kinder leben, frage ich mich umgekehrt nach dem, wie es für sie sein würde, wenn sie in meiner Welt ankämen.

Sie wissen, dass Kinder in den Vereinigten Staaten normalerweise damit leben müssen, dass ihre Eltern nicht erschossen worden sind, und sie wissen, dass sie manchmal das Meer zu sehen bekommen. Aber wenn ihr erst einmal das Meer gesehen hat und an einem stillen Platz wohnt, wo Wasser für selbstverständlich gehalten und nicht in der Nacht durch Bulldozer gestohlen wird, und wenn ihr erst einmal einen Abend verbracht habt, an dem ihr euch nicht gefragt habt, ob die Mauern eures Hauses plötzlich einfallen könnten, wobei ihr aus dem Schlaf geholt werdet, und wenn ihr erst einmal Menschen getroffen habt, die nie jemanden verloren haben ­ wenn ihr erst einmal die Realität einer Welt erfahren habt, die nicht von mörderischen Türmen, Panzern bewaffneten "Siedlungen" und jetzt einer gigantischen Metallwand umgeben ist, dann frage ich mich, I ob ihr der Welt vergeben könnt für all die Jahre eurer Kindheit, die verbracht wurde im Existieren -- einfach Existieren -- im Widerstand gegen im ständigen Würgegriff der viertgrößten Militärmacht -- gestützt durch die einzige Supermacht der Welt -- bei ihrem Versuch, euch aus eurem Haus zu entfernen. Dies ist etwas, worüber ich mich bei diesen Kindern wundere. Ich frage mich, was passieren würde, wenn sie es wirklich wüssten.

Im Nachhinein zu all diesem Gefasel, ich bin in Rafah, eine Stadt von etwa 140.000 Menschen, ungefähr 60 Prozent von ihnen sind Flüchtlinge -- viele von ihnen sind Flüchtlinge zum zweiten oder dritten Mal. Rafah existierte bereits vor 1948, aber die meisten der Menschen hier sind entweder selbst oder sind Nachkommen von Menschen, die hierher gebracht wurden von ihren Häusern im historischen Palästina -- jetzt Israel. Rafah wurde in zwei Hälften geteilt als der Sinai an Ägypten zurückgegeben wurde. Gegenwärtig baut die israelische Armee eine vierzehn Meter hohe Mauer zwischen Rafah in Palästina und der Grenze, die das Niemandland von den Häusern entlang der Grenze abschneidet. Sechshundert und zwei Häuser sind nach Angaben des Rafah Bevölkerungsflüchtlingskomitee völlig mit dem Bulldozer plattgemacht worden. Die Anzahl der Häuser, die teilweise zerstört wurden, ist größer.

Heute als ich über die Trümmer ging, wo einst Häuser standen, riefen mir ägyptische Soldaten von der anderen Seite der Grenze zu, "Geh! Geh!" weil ein Panzer kam. Es folgte ein Winken und "wie heißt du?". Es gibt in dieser freundlichen Neugier etwas Störendes. Sie erinnerte mich daran, wie wir, bis zu einem gewissen alle Kinder sind, die neugierig gegenüber anderen Kindern: Ägyptische Kinder, die einer Fremden zuriefen, die in die Fahrspur der Panzer ging. Palästinensische Kinder, die aus den Panzern beschossen werden, wenn sie hinter den Mauern hervor luchsen, um zu sehen, was da vor sich geht. Internationale Kinder, die mit Transparenten vor Panzern stehen. Israelische Kinder in den Panzern anonym, gelegentlich schimpfend -- und auch gelegentlich winkend -- viele gezwungen, hier zu sein, viele einfach aggressiv, in die Häuser schießend, wenn wir weggehen.

Zusätzlich zu der ständigen Präsenz von Panzern entlang der Grenze und in der westlichen Region zwischen Rafah und den Siedlungen entlang der Küste gibt es hier mehr IDF Türme als ich zählen kann -- entlang des Horizonts, am Ende der Straßen. Einige einfach grünes Armee Metall. Andere dieser merkwürdigen Wendeltreppen, verhängt mit einer Art von Netzwerk, um die Aktivitäten darin unsichtbar zu machen. Einige versteckt, unmittelbar hinter der Kulisse von Gebäuden. Eine Nachricht kam am vergangenen und zu dem Zeitpunkt, die Tag auf wir brauchen, um die Wäsche zu waschen und die Stadt zweimal zu überqueren um unsere Banners aufzuhängen. Trotz der Tatsache, dass einige der Fakten, ein paar der Gegenden, die am nächsten an der Grenze der Gebiete, von denen die Gebäude das ursprüngliche Rafah ausmacht, mit Familien, die auf diesem Land für mindestens ein Jahrhundert gelebt haben, nur die 1948 Lager im Zentrum der Stadt palästinensischen kontrollierten Gebiete unter Oslo. Aber so weit ich es sagen kann gibt es nur wenige Plätze wenn überhaupt, die nicht in Sichtweite von diesem oder jenem Turm sind. Sicherlich gibt es keinen unverletzlichen Platz für Apache Hubschrauber oder Kameras, von unsichtbaren Drohnen, die wir über Stunden an manchen Tagen für ein paar Stunden über dem Surren über der Stadt hören.

Ich habe hier Probleme beim Zugang zu Nachrichten über die Welt draußen, aber ich höre, dass eine Eskalation des Kriegs gegen den Irak unvermeidlich ist. Es herrscht hier eine recht große Betroffenheit über die "Reokkupation von Gaza." Gaza wird jeden Tag bis zu verschiedenen Ausmaßen reokkupiert, aber ich denke, die Angst besteht darin, dass die Panzer alle Straßen einnehmen und hier bleiben werden, anstatt des Einnehmens einiger der Straßen und dem dann folgenden Rückzug nach einigen Stunden oder Tagen um zu beobachten und von den Rändern der Gemeinden zu schießen. Wenn die Menschen nicht bereits über die Folgen des Krieges für die Menschen in der gesamten Region nachdenken, dann hoffe ich, dass sie damit beginnen werden.

Ich hoffe auch, dass ihr hierher kommen werdet. Wir schwanken zwischen fünf und sechs Internationalen. Die Ortschaften, die uns um eine gewisse Form von Präsenz gebeten haben, sind Yibna, Tel El Sultan, Hi Salam, Brazil, Block J, Zorob, und Block O. Es besteht auch die Notwendigkeit der ständigen Präsenz über Nacht an einem Brunnen am Stadtrand von Rafah, da die israelische Armee die zwei größten Brunnen zerstört hat. Nach Angaben der städtischen Wasserbehörde lieferten die Brunnen, die letzte Woche zerstört wurden die Hälfte von Rafahs Wasserbedarf. Viele der Gemeinden haben Internationale gebeten, bei Nacht anwesend zu sein beim Versuch Häuser abzuschirmen vor weiterem Abriss. Nach etwa zweiundzwanzig Uhr ist es sehr schwierig, sich bei Nacht zu bewegen, weil die israelische Armee jeden auf den Straßen als Jemanden als Widerstandskämpfer behandelt und auf sie schießt. Daher sind wir klar zu wenig.

Ich glaube weiterhin, dass meine Heimatstadt, Olympia, eine Menge gewinnen und eine Menge anbieten könnte, indem es sich entschließe, eine Verpflichtung gegenüber Rafah in Form einer Partnerschaftsgemeinde Beziehung zu machen. Einige Lehrer und Kindergruppen haben ihr Interesse an Email Austauschen ausgedrückt, aber dies ist nur die Spitze des Eisbergs der Solidaritätsarbeit, die gemacht werden könnte. Viele Menschen möchten, dass ihre Stimme gehört wird, und ich denke, wir sollten etwas von unserem Privileg als International benutzen, damit diese Stimmen direkt in den USA gehört werden, anstatt durch den Filter von wohlmeinenden Internationalen wie mir. Ich fange gerade an zu lernen von dem, was ich als eine intensive Anleitung erwarte, über die Fähigkeit von Menschen, sich gegen alle Widrigkeiten zu organisieren und gegen alle Widrigkeiten zu widerstehen.

Rafah: ISM-Aktivistin von Bulldozer getötet

Medienmitteilung ISM Nablus Von: gfc / ISM Nablus 16.03.2003 22:56

Am Sonntag, 16. März um ca. 17 Uhr wurde im Rafah Flüchtlingslager Rachel Corey, Aktivistin des International Solidarity Movements ISM, durch einen Bulldozer der israelischen Besatzungsarmee IOF getötet. Sie versuchte mit anderen AktivistInnen, die illegalen Hauszerstörungen der IOF zu verhindern.

Rachel Corey, 23-jaehrige Aktivistin von ISM Gaza, wurde heute Nachmittag von einem IOF-Bulldozer getötet, der ein Haus im Quartier Al-Salam im Flüchtlingslager Rafah zerstören wollte. Rachel verhandelte zuerst mit dem Soldaten im Bulldozer, blieb aber erfolglos. Der Fahrer hatte deutlich erkannt, dass es sich beim späteren Opfer um eine internationale Menschenrechtsaktivistin handelte. Da der Bulldozer mit der Zerstörung fortfuhr, fiel Schutt auf die amerikanische Aktivistin und sie strauchelte. Der Bulldozer fuhr schließlich zweimal über die am Boden liegende Aktivistin. Gemäss Dr. Ali Musa vom Al-Najar-Spital starb Rachel an verschiedenen Schädel- und Knochenbrüchen.

Dies ist nicht der erste direkte und absichtliche Angriff israelischer Besatzungssoldaten auf internationale AktivistInnen. Rachel Corey ist jedoch das erste Todesopfer aus den Reihen ISMs. Ihr Tod ist für die AktivistInnen vor Ort ein Schock, ISMs fortdauernder Widerstand gegen die alltäglichen Kriegsverbrechen der israelischen Regierung und der IOF steht deswegen nicht in Frage. Die israelische Besatzungsarmee unterscheidet nicht zwischen unbewaffneten Zivilpersonen und bewaffneten Kämpfern und weicht längst nicht mehr davor zurück, internationale AktivistInnen offen anzugreifen und gar – wie heute – zu ermorden.

Seit Ausbruch der 2. Intifada starben neben Rachel bereits mehr als 2320 PalästinenserInnen durch die Repression der israelischen Besatzungsarmee. Im Gaza-Streifen wurden bislang mehr als 600 Häuser, davon der größte Teil in Rafah nahe der Grenze zu Ägypten, von den IOF zerstört, was Art. 53 der 4. Genfer Konvention eindeutig verletzt. ISM-AktivistInnen, darunter gegenwärtig zwei schweizer Staatsangehörige, unterstützen seit Monaten den gewaltlosen Widerstand gegen die systematischen Hauszerstörungen u.a. in Rafah.

ISM ist eine palaestinensisch-internationale Bewegung, deren Ziel es mitunter ist, dass Leiden der palaestinensischen Zivilbevölkerung unter der israelischen Besatzung zu lindern bzw. gegen die alltäglichen Exzesse der israelischen Armee einzustehen. Obwohl gemäss der 4. Genfer Konvention die Zivilbevölkerung im Falle einer Besatzung oder eines bewaffneten Konfliktes als "geschützt" behandelt werden muss, hat sich die internationale Gemeinschaft seit Jahren nicht ernsthaft mit der Situation der palästinensischen Bevölkerung befasst und freiwillige, ungeschützte Menschen aus aller Welt übernehmen seit längerem diese Verantwortung. Rachel hat heute ihr Engagement gegen die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen mit ihrem Leben bezahlt.

Nablus, Occupied Palestine, 16/03/03

Offizielle Verlautbarung der Israelischen Botschaft in Deutschland 

(Newsletter der Israelischen Botschaft in Berlin Montag, 17. März 2003):

DEMONSTRANTIN BEI MILITÄRMASSNAHME IN RAFAH GETÖTET
Bei einer israelischen Militäraktion an der israelisch-ägyptischen Grenze bei Rafah ist am Sonntag die Demonstrantin Rachel Corrie verletzt worden. Die Amerikanerin erlag später ihren Verletzungen in einem Krankenhaus:

“Bei einer israelischen Militärmaßnahme, in deren Verlauf Sprengsätze entdeckt und beseitigt wurden, hat die israelische Armee am Sonntag Gestrüpp an der israelisch-ägyptischen Grenze nahe Rafah beseitigt. Die Maßnahme erfolgte im Rahmen eines Einsatzes in einem Gebiet, das gemäß des Oslo-Abkommens unter der vollen zivilrechtlichen und sicherheitstechnischen Kontrolle Israels steht. Während der Militärmaßnahme betraten Dutzende von Demonstranten das Sperrgebiet, um den Einsatz zu stören.

Um eine Konfrontation mit den Demonstranten zu verhindern, zogen sich die Einsatzkräfte zunächst zurück, um den Einsatz später fortzusetzen. Daraufhin setzten die Demonstranten ihren Konfrontationskurs fort und näherten sich den Einsatzwagen erneut. Dabei wurden die Demonstranten wiederholt aufgerufen, sich aus dem Sperrgebiet zurückzuziehen. Nach vorläufigen Untersuchungen ergriff im weiteren Verlauf ein gepanzerter Militär-Bulldozer, der vor Ort tätig war, eine Demonstrantin, die sich dem Gebiet trotz der Warnungen genähert hatte. Es ist zu erwähnen, dass das gepanzerte Fahrzeug nur über ein beschränktes Sichtvermögen und kleine gepanzerte Gucklöcher verfügt und der Fahrer die Frau aus diesem Grund auf ihrer Stellung nicht sehen konnte. Die israelische Armee kündigte an, in dem Fall zu ermitteln und drückt ihr Bedauern über den Unfall aus.“ (Mitteilung eines Armeesprechers).

"Dummheit: Sich vor einen Bulldozer setzen, um Terroristen zu schützen"

Andrea Naica-Loebell 25.03.2003 - Telepolis

Proteste gegen eine Karikatur zum Tod der Friedensaktivistin Rachel Corrie

Am vergangenen Sonntag wurde eine amerikanische Friedensaktivistin im Gaza-Streifen von einem Bulldozer überfahren, der auf ein palästinensisches Haus zu rollte. Der Tod von Rachel Corrie ist für die einen ein bedauernswerter Unfall, für einige andere brutaler Mord. Eine US-amerikanische Studentenzeitung sorgte jetzt mit einer Karikatur zum Thema für Aufsehen.

weiter hier.

Ehrt Rachel - stoppt Häuserzerstörungen

von Jeff Halper

www.icahd.org  / ZNet Deutschland 18.03.2003

Das Israelische Komitee gegen Häuserzerstörungen trauert zusammen mit der gesamten israelischen Friedens- und Menschenrechtsbewegung um Rachel Corrie, die in Gaza umkam. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freunden und den Kameraden vom International Solidarity Movement.

Rachel war nicht die Erste, die im Zusammenhang mit Israels grausamer Politik der Häuserzerstörungen umgekommen ist. Vor weniger als zwei Wochen wurden, ebenfalls in Gaza, Nuha Makadma Sweidan und ihr ungeborenes Kind getötet, als israelische Soldaten ihr Haus "aus Versehen" zerstörten; sie hatten eigentlich nur das Wohnhaus nebenan in die Luft jagen wollen. Wenige Wochen zuvor starben eine ältere Frau und ein behinderter Mann unter den Trümmern ihrer Häuser in Gaza, als Soldaten sie schlicht "übersahen". Das waren nicht einfach Unfälle. Es ist gängige israelische Praxis, Häuser so überstürzt abzureißen, dass noch die gesamte Habe der Bewohner darin ist und in der Eile keine Zeit für prosaische Sicherheitsvorkehrungen bleibt.

Die weitaus meisten Häuserzerstörungen, das muss man sich vor Augen führen, haben nichts mit der Bekämpfung von Terrorismus zu tun. Laut Angaben der UN standen weniger als 600 der seit Beginn der Besatzung niedergerissenen 10 000 Häuser in Zusammenhang mit irgendwelchen verdächtigten Personen.

Die übrigen 94% gehörten ganz normalen Leuten, deren Häuser Israel jedoch im Wege waren. Das trifft auch auf das Haus von Dr. Samir Nasrallah zu, das Rachel zu beschützen versuchte. Dr. Nasrallah war in keinerlei feindselige Aktivitäten verwickelt, ihm wurde nichts vorgeworfen. Sein Haus wurde zerstört, weil es wie Dutzende anderer, die in diesem Teil des dicht bevölkerten Flüchtlingslagers von Bulldozern niedergewalzt worden sind, innerhalb eines breiten "Sicherheitsstreifens" lag, den Israel zur Zeit entlang der Grenze zu Ägypten anlegt. Weder wurde Dr. Nasrallah eine Entschädigung gezahlt, noch konnte er Einspruch einlegen oder hat eine Ersatzwohnung angeboten bekommen - Häuserzerstörung, wie sie gang und gäbe ist und die Familien ohne Dach über dem Kopf, verarmt, traumatisiert ruiniert zurücklässt. Eine illegale Praxis, da ja das internationale Recht die Zerstörung von Häusern durch eine Besatzungsmacht verbietet.

Warum aber verfolgt Israel diese herzlose Politik, die nur dazu angetan ist, Hass zu schüren? - Erstens beschränkt die Politik der Häuserzerstörung den Lebensraum der Palästinenser auf winzige, überbevölkerte, unbrauchbare "Inseln", wodurch es Israel möglich ist, die gesamte Westbank und Gaza durch expansive Siedlungspolitik unter seine Kontrolle zu bringen. Zweitens weiß Israel, dass Palästinensern ihr Heim heilig ist, das Herz ihres ausgedehnten Familienlebens. Durch das Niederreißen der Häuser hofft Israel, den Widerstandswillen der Palästinenser gegen die Besatzung zu brechen, auf dass sie sich mit einem Leben in kümmerlichen Bantustans zufrieden geben. Und drittens sind die Häuserzerstörungen ein entscheidender Hebel im Prozess der Vertreibung und damit zur Realisierung des exklusiven Anspruchs Israels auf das ganze Land.

Aus diesem letztgenannten Grund und weil wir die Beasatzungspolitik insgesamt ablehnen, leisten wir, Mitglieder der israelischen Friedensbewegung, Widerstand gegen die Häuserzerstörung, indem wir uns, wie es Rachel getan hat, den Bulldozern entgegenstellen und indem wir palästinensische Häuser wieder aufbauen. Auf diese Weise signalisieren wir, israelische Juden, den Palästinensern: Wir erkennen euer Existenzrecht als Volk und euer Recht an, in diesem Land zu sein. Wir streben eine gemeinsame Zukunft mit euch an, die auf einem gerechten Frieden gründet. Wir weigern uns, Feinde zu sein und wollen dieses Land mit euch teilen. Grundlage ist das Recht beider Völker.

Rachel war keine Israelin. Als Mitglied des International Solidarity Movement war sie Teil der internationalen Zivilgesellschaft wie wir alle. Durch ihr Handeln bekannte sie sich zu ihrer Verantwortung für die inhärente Würde und die gleichen Rechte aller Menschen, damit auch das Recht auf eine Nationalität. Gewaltlos stellte sie sich der Gewalt entgegen, die die Besatzung den Palästinensern antut.

Die Schwelle dessen, was in den in den besetzten Gebieten als empörend wahrgenommen wird, ist inzwischen sehr hoch anzusetzen. Kaum etwas berührt uns noch. Als vor einem Jahr 60 palästinensische Wohnhäusern in der Umgebung von Rafah im Gaza-Streifen, wo auch Rachel aktiv war, zerstört wurden, ist das kaum vermerkt worden. 2400 Palästinenser sind in den vergangenen beiden Jahren (als Opfer der Besatzungsmacht; S.D.) gestorben, ein Viertel von ihnen Kinder und Jugendliche und 22 000 sind verletzt worden. 30% der Kinder unter 5 Jahren leiden an Unterernährung. 500 000 Oliven- und Obstbäume sind entwurzelt oder gefällt worden. Israel ist derzeit dabei, die Palästinenser hinter einer Mauer einzusperren, die viel länger, höher und massiver bewehrt ist als es die Berliner Mauer war. Es ist überwältigend, es geschieht vor unseren Augen und - wen kümmert's?

Rachel hat es gekümmert.

(Jeff Halper ist Koordinator des Israeli Committee Against House Demolitions - ICAHD. Die israelische NGO leistet Aufklärungsarbeit über die Problematik der Häuserzerstörungen als Mittel der Kollektivbestrafung und der Expansionspolitik Israels in den besetzten Gebieten. Jeff Halper wird im Mai eine Tour durch Deutschland unternehmen, um die bereits in den USA und Frankreich existierende Kampagne gegen die Häuserzerstörung und für den Wiederaufbau palästinensischer Häuser bekannt zu machen. Näheres zu ICAHD unter www.icahd.org ; zur Vortragsreise von Jeff Halper: sophia_deeg@yahoo.de)

Rachel Corries kurze Lehrzeit 
Das Vermächtnis einer Friedensaktivistin

09.04.2003 junge welt

Ausland - Ulrike Vestring 

Am 16. März 2003, einem Sonntag, starb in Gaza die Amerikanerin Rachel Corrie. Die 23jährige Studentin aus Olympia im Staate Washington gehörte einer Gruppe internationaler Freiwilliger an, die im Flüchtlingslager Rafah nahe der ägyptischen Grenze versuchte, die von Israel angeordneten Zerstörungen palästinensischer Wohnhäuser zu verhindern. Bei einem solchen Versuch wurde die junge Frau von einem Bulldozer der israelischen Armee zermalmt.

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Internationale Friedensaktivisten unter Feuer

Peter Schäfer 13.04.2003 - Telepolis

Israels Militär geht rücksichtslos gegen ISM-Aktivisten vor

Tom Hurndall ist klinisch tot. Ein israelischer Scharfschütze traf den 21-jährigen Engländer in Rafah im südlichen Gazastreifen am Freitag [1] in den Kopf, als er ein Kind aus dem Schussfeld dieses Soldaten zu holen versuchte. Hurndall ist Teil der Internationalen Solidaritätsbewegung ISM [2], die an vielen Orten der palästinensischen Gebiete gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung leistet.

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Die Bedeutung Rachel Corries

Über Würde und Solidarität

von Edward Said - Al Ahram / ZNet 26.06.2003

Anfang Mai, als ich einige Tage in Seattle Vorträge hielt, verbrachte ich ein Abendessen mit Rachel Corries Eltern und ihrer Schwester, welche noch vom Schock des Mordes ihrer Tochter von einem israelischen Bulldozer am 16. März zerrüttet waren. Mr. Corrie erzählte mir, dass er selbst Bulldozer gefahren ist, aber derjenige welcher absichtlich seine Tochter ermordete, war ein 60 Tonnen Behemoth, ein speziell für Hauszerstörungen konstruierter Caterpillar, eine viel größere Maschine, als irgendetwas das er jemals gesehen oder gefahren ist. Zwei Dinge haben mich bei meinem Treffen mit den Corries betroffen gemacht. Eines, war die Geschichte über ihre Rückkehr mit dem Leichnam ihrer Tochter in die USA. Sie benachrichtigten sofort ihre US Senatorinnen, Patty Murray und Mary Cantwell, beides Demokratinnen, erzählten ihnen ihre Geschichte und erhielten die erwarteten Äußerungen der Schockierung, der Empörtheit, des Ärgers und Versprechungen, dass Nachforschungen stattfinden werden. Nachdem beide Frauen nach Washington zurückgekehrt waren hörten die Corries nie wieder von ihnen, und die versprochenen Nachforschungen fanden einfach nicht statt. Wie erwartet hat die israelische Lobby ihnen die Realität erklärt und beide Frauen haben einfach nachgegeben. Ein amerikanischer Bürger der absichtlich von Soldaten eines Klientenstaates der USA ermordet worden ist, ohne dass es ein offizielles Räuspern oder eine genaue Untersuchung, die der Familie versprochen worden ist, gegeben hat.

Aber der zweite und viel wichtigere Aspekt der Geschichte Rachel Corries war für mich die Aktion der jungen Frau selbst, heroisch und würdevoll zugleich. Geboren und aufgebracht in Olympia, einer kleinen Statt 60 Meilen von Seattle, hatte sie sich dem International Solidarity Movement angeschlossen und ist nach Gaza gegangen, um leidenden menschlichen Wesen beiseite zu stehen, mit welchen sie niemals vorher einen Kontakt gehabt hatte. Ihre Briefe zurück an ihre Familie sind wirklich bemerkenswerte Dokumente ihrer einfachen Menschlichkeit, welche sie zu einem sehr schwierigen und bewegenden Lesestoff machen, besonders wenn sie die Güte und die Besorgnis beschreibt, welche ihr von allen PalästinenserInnen denen sie begegnete gezeigt worden ist, welche sie offensichtlich als eine von ihnen begrüßen, weil sie genauso lebt wie sie es tun, ihre Leben und Besorgnisse teilt, genauso wie den Horror der israelischen Besatzung und deren furchtbaren Auswirkungen, auch auf das kleinste Kind. Sie versteht das Schicksal der Flüchtlinge und sie nennt den heimtückischen Vorgehen der Regierung eine Art von Genozid, indem sie ein Überleben für diese eine Gruppe von Menschen fast unmöglich macht. Ihre Solidarität ist so bewegend, dass sie einen israelischen Reservisten namens Danny, welcher den Dienst verweigert hat, dazu bringt, ihr zu schreiben und ihr zu sagen, "Du machst etwas gutes. Ich danke dir dafür."

Was durch alle die Briefe die sie nach hause geschickt hat, und welche anschließend im Londoner Guardian veröffentlicht wurden, ans Licht tritt, ist der verblüffende Widerstand welchen die PalästinenserInnen selbst darbieten, durchschnittliche menschliche Wesen welche in der schlimmsten Position des Leidens und der Verzweiflung gefangen sind, aber nichtsdestotrotz weiterhin überleben. Wir hörten in letzter Zeit so viel über die Roadmap und die Aussichten auf Frieden, das wir die wichtigste Tatsache von allen übersehen haben, welche ist, dass die PalästinenserInnen sich weigern zu kapitulieren oder aufzugeben, sogar unter der kollektiven Bestrafung welchen ihnen von der vereinigten Macht der USA und Israels auferlegt wird. Es ist diese außergewöhnliche Tatsache, welche der Grund für die Existenz einer Roadmap und all diesen vielen so genannten Friedensplänen vor ihr ist, überhaupt nicht weil die USA und Israel und die Internationale Gemeinschaft davon überzeugt worden wären, dass die Morde und die Gewalt aus humanitären Gründen enden muss. Wenn wir die Wahrheit über die Kraft des palästinensischen Widerstandes nicht begreifen (mit welchem ich überhaupt nicht all die Selbstmordattentate meine, welche viel mehr Schaden anrichten als sie nutzen), trotz all ihrer Versäumnisse und ihrer Fehler, begreifen wir nichts. PalästinenserInnen waren immer ein Problem für das zionistische Projekt, und die so genannten Lösungen haben dieses Problem immer und immer wieder zu minimieren anstatt zu lösen Versucht. Die offizielle israelische Politik, egal ob Ariel Sharon das Wort "Besatzung" benutzt oder nicht, oder ob er einen oder zwei rostige, ungenutzte Türme abbaut, war es immer, nicht die Realität der PalästinenserInnen als gleichwertige Menschen zu akzeptieren, und niemals zuzugeben, dass ihre Rechte in skandalöser Art von Israel verletzt werden. Während einige wenige couragierte Israelis in den letzten Jahren versucht haben sich mit dieser anderen, verborgenen, Geschichte auseinanderzusetzen, machten die meisten Israelis und, was die Mehrheit der amerikanischen Juden zu sein scheint, jeden Versuch die palästinensische Realität abzulehnen, zu vermeiden oder zu leugnen. Das ist der Grund, warum es keinen Frieden gibt.

Außerdem steht in der Roadmap nichts über Gerechtigkeit oder über die historische Bestrafung welche den PalästinenserInnen für zu viele Jahrzehnte um sie noch zu zählen auferlegt worden ist. Was Rachel Corries Arbeit in Gaza erkannte war jedoch eben jene Schwere und Dichte der lebenden Geschichte der PalästinenserInnen als eine nationale Gemeinschaft, und nicht nur als eine Vereinigung von benachteiligten Flüchtlingen. Das ist es, womit sie solidarisch war. Und wir müssen uns daran erinnern, dass diese Art der Solidarität nicht mehr nur auf eine kleine Anzahl von unerschrockenen Seelen hier und da beschränkt ist, sondern auf der ganzen Welt erkannt wird. In den letzten sechs Monaten habe ich auf vier Kontinenten zu vielen tausend Menschen gesprochen. Was sie zusammenbringt ist Palästina und der Kampf der PalästinenserInnen, welcher ein Synonym für Emanzipation und Aufklärung ist, egal wie viel sie von ihren Feinden verteufelt werden.

Wann immer die Tatsachen bekannt gemacht werden gibt es eine sofortige Klarwerdung und einen Ausdruck der tiefsten Solidarität mit der Gerechtigkeit der palästinensischen Sache und dem kraftvollen Kampf der PalästinenserInnen für diese. Es ist außergewöhnlich, dass Palästina ein zentrales Thema bei den Anti-Globalisierungs-Treffen in Porto Alegre war, wie auch bei den Treffen in Davos und Amman, beiden Polen des weltweiten politischen Spektrums. Nur weil einige unsrer MitbürgerInnen in diesem Land eine fürchterlich einseitige Darstellung voller Ignoranz und Verdrehung von den Medien geboten wird, indem die Besatzung bei den reißerischen Beschreibungen von Selbstmordattentaten nie erwähnt wird, die Apartheidwand, siebeneinhalb Meter hoch, eineinhalb Meter dick und 350 Kilometer lang auf CNN und den Netzwerken nie gezeigt wird (oder auch nur im leblosen Text der Roadmap erwähnt wird) und die Kriegsverbrechen, die willkürlichen Zerstörungen und Demütigungen, Verwundungen und Hauszerstörungen, Feldverwüstungen und Tode welche den palästinensischen ZivilistInnen angetan werden, werden nie als die tägliche, vollkommen routinemäßige Tortur gezeigt, die sie sind, und so sollte man sich nicht darüber wundern, dass die AmerikanerInnen eine sehr niedrige Meinung über AraberInnen und PalästinenserInnen haben. Schließlich sollte man daran denken, dass die hauptsächlichen Zentren der Medien des Establishments, von der linken liberalen Seite bis zum rechten Rand, alle einstimmig anti- arabisch, anti-muslimisch und anti-palästinensisch sind. Man muss sich ansehen, wie ängstlich die Medien während den Vorbereitungen für einen illegalen und ungerechten Krieg gegen den Irak waren, und wie wenig Courage es gab, als der irakischen Gesellschaft durch die Sanktionen ein riesiger Schaden angetan worden ist, und wie vergleichsweise wenige Berichte es über die immensen weltweiten Äußerungen gegen den Krieg gab. Kaum ein Journalist oder eine Journalistin außer Helen Thomas hat die Regierung mit ihren unglaublichen Lügen und selbst gemachten "Fakten" konfrontiert, welche vor dem Krieg den Irak als eine akute Bedrohung für die USA herausputzten, gerade als dieselben Regierungspropagandisten, deren zynisch erfundenen und manipulierten "Tatsachen" über Massenvernichtungswaffen heute mehr oder weniger vergessen sind oder als nebensächlich beiseite gestellt werden, von den Medienriesen losgelassen worden sind, um die grauenvolle, buchstäblich unverzeihliche Situation der Menschen im Irak zu diskutieren, welche die USA nun dort mit Leichtigkeit und Unverantwortlichkeit geschaffen hat. Wenn man Saddam Hussein auch als bösartigen Tyrannen beschuldigt, der er war, hatte er dennoch den Menschen im Irak die beste Infrastruktur von Wasser, Elektrizität, Gesundheitsversorgung und Erziehung aller arabischen Länder zur Verfügung gestellt. Nichts davon ist länger funktionstüchtig.

Es ist folglich kein Wunder, dass es eine außergewöhnliche Furcht davor gibt, antisemitisch zu erscheinen, wenn man Israel für seine täglichen Kriegsverbrechen gegen unschuldige, unbewaffnete palästinensische ZivilistInnen kritisiert, oder "antiamerikanisch" genannt wird wenn man die Regierung der USA für diesen illegalen Krieg und ihre grauenvolle militärische Besatzung kritisiert, und die bösartige Medien- und Regierungskampagne gegen die arabische Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Mentalität, welche von JournalistInnen aus dem Neandertal und Orientalisten wie Bernard Lewis und Daniel Pipes geführt werden, und welcher zu viele von uns durch Einschüchterung dazu gebracht hat, zu glauben AraberInnen seien ein unterentwickeltes, unfähiges und zukunftsloses Volk, und, dass mit allen Fehlern der Demokratie und der Entwicklung, nur die AraberInnen, allein auf dieser Welt, hinter den Zeiten zurückgeblieben sind, unmodernisiert und zutiefst reaktionär. Hier müssen Würde und kritisches historisches Denken mobilisiert werden, um zu sehen, was was ist, und die Wahrheit von der Propaganda loszulösen.

Niemand würde leugnen, dass heute die meisten arabischen Länder von unpopulären Regimen geführt werden, und dass eine riesige Anzahl von armen, benachteiligten jungen AraberInnen der rücksichtslosen Form der fundamentalistischen Religion ausgesetzt wird. Aber es ist einfach eine Lüge zu sagen, wie es die New York Times regelmäßig tut, dass arabische Gesellschaften total kontrolliert werden, und dass es keine Meinungsfreiheit, keine zivilen Institutionen und keine funktionierenden sozialen Bewegungen für und von den Menschen gibt. Trotz Pressegesetzen kann man heute ins Zentrum Ammans gehen und eine Zeitung der kommunistischen Partei kaufen, genauso wie eine islamische; Ägypten und Libanon sind voll mit Zeitungen und Journalen, welche viel mehr Debatten und Diskussionen nahe legen, als diesen Gesellschaften zugeschrieben wird; die Satellitenkanäle platzen vor einer reichen Anzahl von Meinungen einer schwindelerregenden Unterschiedlichkeit; zivile Institutionen sind überall in der arabischen Welt sehr lebendig, und haben mit sozialen Diensten, Menschenrechten, Syndikaten und Forschungsinstitutionen zu tun. Viel mehr muss noch getan werden, bevor wir ein angemessenes Niveau an Demokratie haben, aber wir sind auf dem Weg.

In Palästina gibt es heute über 1000 NGOs und diese Lebendigkeit und diese Art von Aktivität ist der Grund für das Fortbestehen der Gesellschaft, trotz jedes amerikanischen und israelischen Versuchs sie auf einer täglichen Basis zu verteufeln, zu stoppen oder einzuschränken. Unter den schlimmsten Umständen ist die palästinensische Gesellschaft weder besiegt worden, noch ist sie vollständig zusammengebrochen. Kinder gehen in die Schule, ÄrztInnen und PflegerInnen kümmern sich noch immer um ihre PatientInnen, Männer und Frauen gehen zur Arbeit, Organisationen haben ihre Treffen und Menschen leben weiterhin, was eine Provokation für Sharon und andere ExtremistInnen darstellt, welche die PalästinenserInnen entweder einfach einsperren oder vertreiben wollen. Die militärische Lösung hat überhaupt nicht funktioniert, und wird niemals funktionieren. Warum ist das für Israelis so schwer zu begreifen? Wir müssen ihnen helfen dies zu verstehen, nicht durch Selbstmordattentate, sondern durch vernünftige Argumente, zivilen Ungehorsam von großen Teilen der Bevölkerung und organisierten Protest, hier und überall.

Was ich betonen will ist, dass wir die arabische Welt im Allgemeinen und Palästina im speziellen in vergleichender und kritischerer Art betrachten müssen, als die oberflächlichen Bücher wie Lewis's Was Lief Falsch ("What Went Wrong") und Paul Wolfowitzs ignorante Stellungnahmen darüber, dass man der arabischen und islamischen Welt Demokratie bringe, auch nur erahnen lassen. Was auch immer über die AraberInnen wahr ist, es ist eine aktive Dynamik am Werk, weil sie als echte Menschen in einer echten Gesellschaft mit allen möglichen Einflüssen und Überschneidungen leben, welche nicht einfach als eine brodelnde Masse von gewalttätigem Fanatismus karikaturiert werden kann. Der palästinensische Kampf für Gerechtigkeit ist insbesondere etwas, mit dem jemand Solidarität ausdrückt, eher als endlose Kritik und erschöpfende, frustrierende Entmutigung und behindernde Trennungen. Man sollte sich an die Solidarität hier und anderswo in Lateinamerika, Afrika, Europa, Asien und Australien erinnern, und daran denken, dass auch hier eine Sache ist, für welche sich viele Menschen eingesetzt haben, trotz Schwierigkeiten und riesiger Hindernisse. Warum? Weil es eine gerechte Sache ist, ein edles Ideal, eine moralische Suche nach Gleichheit und Menschenrechte.

Ich will jetzt über Würde sprechen, welche natürlich einen besonderen Platz in jeder Kultur die HistorikerInnen, AnthropologInnen, SoziologInnen und HumanstInnen bekannt ist, hat. Ich werde damit beginnen, sofort zu sagen, dass es eine absolut falsche, orientalistische und tatsächlich rassistische Aussage ist, das anders als EuropäerInnen und AmerikanerInnen, die AraberInnen kein Gefühl für Individualität haben, keine Wichtigkeit für das individuelle Leben und keine Werte, welche Liebe, Intimität und Verständnis ausdrücken, welche als die exklusiven Besitztümer von Kulturen wie jener Europas und Amerikas betrachtet werden, welche eine Renaissance, eine Reformation und eine Aufklärung hatten. Unter vielen anderen, ist es der vulgäre und infantile Thomas Friedman, welcher diesen Müll verbreitet hat, welcher wiederum von ebenso ignoranten und sich selbst täuschenden arabischen Intellektuellen aufgegriffen worden ist und von denen ich hier keine Namen nennen muss, welche die Gräueltaten des 11. September als ein Zeichen gesehen haben, dass die arabische und islamische Welt auf irgendeine Art viel Kranker und funktionsunfähiger ist, als jede andere, und dass der Terrorismus das Zeichen einer schwereren Verrenkung ist, welche in irgendeiner anderen Kultur geschehen ist.

Wir können es am Rande vermerken, dass im 20. Jahrhundert Europa und die USA mit weitem Abstand für die größte Zahl an Toten in gewalttätigen Konflikten verantwortlich waren, die islamische Welt kaum für einen Bruchteil davon. Und hinter all diesen speziellen unwissenschaftlichen und sinnlosen Betrachtungen über falsche und richtige Zivilisation steht der groteske Schatten des großen falschen Propheten Samuel Huntington, welcher einer großen Zahl von Leuten glaubhaft machte, dass die Welt in getrennte Zivilisationen aufgeteilt werden kann, welche sich auf Ewigkeit gegenseitig bekämpfen. Im Gegenteil, Huntington liegt mit jeder Aussage die er macht total falsch. Keine Kultur oder Zivilisation existiert nur in ihr selbst; keine wird von Dingen wie Individualität und Aufklärung beherrscht, welche vollkommen exklusiv ihr zuzuschreiben sind; und keine existiert, ohne die elementaren menschlichen Eigenschaften wie Gemeinschaft, Liebe, die Wertschätzung des Lebens und alle andren. Vorzuschlagen, dass dem nicht so ist, was er tut, ist der unpassendste Rassismus der gleichen Art, wie jener Leute welche argumentieren, dass AfrikanerInnen von Natur aus unterlegene Gehirne haben, oder dass AsiatInnen für die Sklaverei geboren sind, oder dass EuropäerInnen eine natürlich überlegene Rasse sind. Das ist eine Art Parodie der Hitlerschen Wissenschaft, welche heute besonders gegen AraberInnen und MuslimInnen gerichtet wird, und wir müssen uns sehr zurückhalten, keine Anstalten zu machen, auch nur dagegen zu argumentieren. Es ist das reinste Geschwafel. Auf der anderen Seite, gibt es die sehr viel eher glaubhafte und ernsthaftere Betrachtungsweise, dass, wie jede andere Instanz der Menschheit, das Leben von AraberInnen und MuslimInnen inhärenten Wert und Würde hat, welche von AraberInnen und MuslimInnen in ihrem eigenen kulturellen Stil ausgedrückt werden, und dass diese Ausdrücke kein allgemein akzeptiertes Modell nachahmen oder kopieren, das dazu geeignet ist, dass jeder ihm folgt.

Worum es bei der menschlichen Vielfalt geht ist, dass sie eine Art der tiefgründigen Koexistenz zwischen sehr verschiedenen Arten von Individualität und Erfahrung ist, welche nicht alle auf eine überlegene Form reduziert werden können: Das ist das unaufrichtige Argument welches uns von Experten welche das Fehlen von Entwicklung und Wissen in der arabischen Welt beklagen aufgedrängt wird. Alles was man tun muss, ist sich die riesige Vielfalt der Literatur, des Kinos, des Theaters, der Malerei, der Musik und der Populärkultur anzusehen, welche von und für AraberInnen von Marokko bis hin zum Golf produziert wird. Man muss sicherlich dies als Indikator verwenden ob die AraberInnen entwickelt sind oder nicht, und nicht nur wie an irgendeinem Tag die statistischen Daten der Industrieproduktion entweder ein angemessenes Level an Entwicklung zeigen oder mangelhaft sind.

Etwas wichtigeres, auf das ich hinauskommen will, ist jedoch, dass es heute eine große Diskrepanz zwischen unseren Kulturen und Gesellschaften, und der kleinen Gruppe von Menschen welche die Gesellschaften beherrschen gibt. Selten ist in der Geschichte eine solche Macht in so einer kleinen Gruppe wie den verschiedenen Königen, Generälen, Sultanen und Präsidenten konzentriert gewesen, welche heute über die AraberInnen herrschen. Das schlimmste an ihnen als Gruppe ist, fast ohne Ausnahme, dass sie nicht das Beste ihrer Bevölkerungen repräsentieren. Das ist nicht nur eine Frage der Demokratie. Es ist so, das sie sich selbst und ihre Bevölkerungen radikal unterschätzen, in einer Art welche sie isoliert, sie der Veränderung gegenüber intolerant und ängstlich macht, sie es fürchten lässt, ihre Gesellschaften für ihre Menschen zu öffnen, und am meisten davor erschrecken lässt, dass sie den großen Bruder verärgern könnten, die Vereinigten Staaten. Anstatt dass sie ihre BürgerInnen als potentiellen Reichtum der Gesellschaft sehen, betrachten sie jene als schuldige VerschwörerInnen, die mit den Herrschern um die Macht wetteifern.

Das ist das echte Versagen, eben wie während dem furchtbaren Krieg gegen die Menschen im Irak kein arabischer Führer die Würde und Selbstsicherheit hatte, etwas gegen die Plünderung und militärische Besatzung eines der wichtigsten arabischen Länder zu sagen. Nun gut, es ist eine sehr feine Sache, dass es Saddams Husseins abstoßendes Regime nicht länger gibt, aber wer hat die USA damit beauftragt, ein Mentor für die AraberInnen zu sein? Wer bat die USA die arabische Welt, angeblich zugunsten ihrer BürgerInnen, zu übernehmen, und das, was sie "Demokratie" nennen, zu bringen, besonders in einer Zeit, in welcher das Schulsystem, das Gesundheitssystem und die ganze Wirtschaft in Amerika in die schlimmsten Zustände seit der Depression 1929 verfallen. Warum hat die kollektive arabische Stimme sich nicht gegen die eklatant illegale Intervention erhoben, welche so viel Schaden verursachte, und die ganze arabische Nation so demütigte? Das ist ein wahrhaft kolossales Versagen an Mut, Würde und Solidarität mit sich selbst.

Mit dem ganzen Gerde der Bush Administration über die Wegweisung durch den Allmächtigen, hat nicht ein arabischer Führer die Courage einfach zu sagen, dass sie, als ein großes Volk, von ihren eigenen Aussichten, Traditionen und Religionen geleitet werden? Aber nichts, nicht ein Wort, während die armen BürgerInnen des Iraks die schrecklichsten Torturen durchleben müssen, und der Rest der Region in seinen kollektiven Schuhen zitternd dasteht und von dem Gedanken versteinert ist, dass sein Land das nächste sein könnte. Wie unglücklich die Umarmung George Bushs durch die gesamte Führerschaft der größten arabischen Länder letzte Woche war, jenes Mannes, welcher grundlos ein arabisches Land zerstört hat. Gab es da niemanden der den Mut hatte George W. daran zu erinnern, dass er mehr getan hat also irgendjemand bevor ihm, um die Menschen der arabischen Länder zu demütigen und ihnen Leid zuzufügen, und muss er immer mit Umarmungen, Lächeln, Küssen und Verbeugungen begrüßt werden? Wo ist die diplomatische und politische und ökonomische Unterstützung, welche notwendig ist um die Antibesatzungs Bewegung im Westjordanland und im Gazastreifen aufrecht zu erhalten? Anstatt dessen hört man nur, dass die Außenminister den PalästinenserInnen predigen aufzupassen, Gewalt zu vermeiden und bei den Friedensverhandlungen zu bleiben, obwohl es so offensichtlich ist, dass Sharons Interesse an Frieden so gut wie nicht vorhanden ist. Es gab keine organisierte arabische Antwort auf die Trennungswand, oder die Ermordungen, oder die kollektiven Bestrafungen, nur einen Haufen von ermüdeten Standardaussagen, mit welchen die schon abgetragenen Formulierungen, welche vom State Department autorisiert worden sind, wiederholt wurden.

Vielleicht eine der Sachen die mich sehr verblüfft, ist der derzeitige Tiefstand der arabischen Unfähigkeit, die Würde der palästinensischen Sache zu begreifen, was von der Palestinian Authority klargemacht wird. Abu Mazen, eine untergeordnete Figur mit wenig politischer Unterstützung von seinen eigenen Leuten, ist für den Job von Arafat, Israel und der USA ausgewählt worden, gerade weil er keine Rückendeckung der Bevölkerung hat, kein Redner und kein großer Organisator ist, und wirklich alles andere als ein loyaler Unterstützer Yasir Arafats war, und deswegen fürchte ich mich davor, in ihm einen Mann zu sehen, welcher Israels Wünsche erfüllen wird; wie konnte sogar Abu Mazen dort in Aqaba stehen, und wie die Puppe eines Bauchredners jene Worte aussprechen, die irgendein Funktionär des State Departments für ihn geschrieben hatte, wo er lobenswerterweise vom jüdischen Leiden spricht, aber dann verblüffenderweise nicht vom Leiden seiner eigenen Menschen erzählt das Israel ihnen antut? Wie konnte er eine so unwürdige und manipulierte Rolle für sich selbst übernehmen, und wie konnte er seine eigene Würde als Repräsentant einer Bevölkerung vergessen, welche seit mehr als einem Jahrhundert heldenhaft für ihre Rechte gekämpft hat, nur weil die USA und Israel ihm gesagt haben, dass er das tun muss? Und als Israel einfach sagte, dass es einen "provisorischen" palästinensischen Staat geben wird, ohne Reue für den furchtbaren Schaden den es verursacht hat, die unzähligen Kriegsverbrechen, die schlicht sadistische, systematische, Erniedrigung eines jeden Palästinensers, Männern, Frauen, Kindern, muss ich ein absolutes Fehlen von Verständnis gestehen. Warum ein Führer oder Repräsentant einer Bevölkerung die schon so lange leidet, dies nicht einmal ansatzweise zu bemerken scheint. Hat er sein Gefühl für Würde vollkommen verloren?

Hat er dies vergessen weil er nicht nur ein Individuum sondern auch der Träger des Schicksals seiner Bevölkerung in einem sehr entscheidenden Moment ist? Gibt es irgendjemanden der über dieses totale Versagen nicht verbittert und verzweifelt ist, sich der Situation mit der Würde und Erfahrung seiner Bevölkerung und deren Sache zu Stellen, und sie mit Stolz zu vertreten, und das ohne Kompromiss, ohne Zweideutigkeit, ohne den halb- peinlichen, halb-entschuldigenden Ton, den palästinensische FührerInnen annehmen, wenn sie irgendeinen vollkommen unwürdigen weißen Vater um etwas Freundlichkeit bitten?

Aber das ist seit Oslo das Verhalten der palästinensischen FührerInnen gewesen, und tatsächlich sogar seit Haj Amin, nämlich eine Kombination von jugendlicher Widerspenstigkeit am falschen Ort und traurigem Flehen. Warum finden sie es bitteschön immer absolut notwendig vorbereitete Reden zu lesen, die von ihren Feinden geschrieben worden sind? Die grundsätzliche Würde unserer Leben als AraberInnen in Palästina, überall in der arabischen Welt, und hier in Amerika, ist, dass wir unser eigenes Volk sind, mit einem Erbe, einer Geschichte, einer Tradition, und über all dem einer Sprache, welche mehr als angebracht dafür ist, unsere eigenen Bestrebungen zu repräsentieren, da die Bestrebungen von der Erfahrung der Enteignung und dem Leiden herrühren, welche jedem Palästinenser seit 1948 angetan worden sind. Nicht einer unserer politischen Sprecher, und das selbe gilt für die AraberInnen seit Abdel Nassers Zeit, spricht jemals mit Respekt vor sich selbst und Würde darüber, wer wir sind, was wir wollen, was wir tun müssen und wohin wir gehen wollen.

Ganz langsam jedoch, ändert sich die Situation, und das alte Regime von Abu Mazens und Abu Ammars auf dieser Welt vergeht und wird schrittweise von einer neuen Gruppe von aufsteigenden FührerInnen überall in der arabischen Welt ersetzt. Die vielversprechendste ist jene, welche von den Mitgliedern der Nationalen Palästinensischen Initiative gebildet wird; sie sind Graswurzel-AktivistInnen deren Hauptaktivität es nicht ist, Papier auf einem Schreibtisch hin und her zu schieben, oder mit Bankkonten zu jonglieren, oder nach JournalistInnen zu suchen die ihnen Aufmerksamkeit schenken, sondern die von den Rängen der ausgebildeten ArbeiterInnen, den Arbeiterklassen, jungen Intellektuellen, LehrerInnen, ÄrztInnen und AnwältInnen kommen, arbeitende Menschen, welche die Gesellschaft am laufen gehalten haben, während sie auch Israels tägliche Angriffe abgewehrt haben. Zweitens, sind diese Menschen jener Art von Demokratie und öffentlicher Partizipation verschrieben, von welcher die [Palestinian ] Authority niemals geträumt hat, deren Idee Stabilität und Sicherheit aus Selbstzweck ist. Und schließlich bieten sie soziale Dienste für die unbeschäftigten, Gesundheitsversorgung für die Unversicherten und die Armen und eine angemessene weltliche Ausbildung für eine neue Generation von PalästinenserInnen an, welchen die Realitäten der modernen Welt beigebracht werden müssen, nicht nur den außerordentlichen Wert der alten. Damit es solche Programme geben kann, fordert die NPI das Ende der Besatzung, und sie sagt, dass dies der einzige Weg vorwärts ist, und um das zu erreichen, soll in freien Wahlen eine nationale vereinigte Führerschaft gewählt werden, um die veraltete Gemeinschaft von Kumpeln und deren Ineffektivität zu ersetzen, welche die palästinensischen FührerInnen im vergangenen Jahrhundert geplagt haben.

Nur wenn wir uns selbst als AraberInnen und AmerikanerInnen respektieren, und die wahre Würde und Gerechtigkeit unserer Sache verstehen, nur dann können wir es schätzen warum, fast trotz uns selbst, so viele Menschen auf der ganzen Welt, eben auch Rachel Corrie und jene zwei jungen Leute vom ISM welche mit ihr verwundet worden sind, Tom Hurndall und Brian Avery, es für möglich gehalten haben, ihre Solidarität mit uns zu teilen.

Ich schließe mit einer letzten Ironie. Ist es nicht bemerkenswert, dass alle Zeichen von öffentlicher Solidarität welche die PalästinenserInnen und AraberInnen erhalten, mit keinem vergleichbaren Zeichen für Solidarität und Würde für uns selbst zusammentreffen, dass andere uns mehr bewundern und respektieren, als wir uns selbst? Ist es nicht Zeit, dass wir unseren eigenen Zustand realisieren, und es schaffen, dass unsere RepräsentantInnen hier und anderswo verstehen, als einen ersten Schritt, dass sie für eine gerechte und ehrbare Sache kämpfen und dass sie sich nicht dafür entschuldigen müssen, als wäre irgendetwas peinliches daran? Im Gegenteil, sie sollten stolz auf das sein, was ihre eigenen Leute gemacht haben, und auch stolz darauf sein, sie zu vertreten.

Ein Refusenik schreibt über Rachel Corrie 

von David Zonsheine - ZNet 25.03.2004

David Zonsheine ist Software-Entwickler und Vorsitzender/ Mitbegründer von ‚Courage to Refuse' (www.seruv.org.il). ‚Courage to Refuse' (Mut zur Verweigerung) ist eine israelische Bewegung, in der sich Combat-Offiziere zusammengeschlossen haben, die sich weigern, in den besetzten Gebieten Dienst zu tun.

Weiter hier

Freiheit der Kunst - Theaterstück in New York vor Premiere abgesetzt

04.03.2006

Wie der britische Guardian am Mittwoch berichtete, wurde ein Theaterstück über das Leben von Rachel Corrie http://www.rachelcorrie.org noch vor der Premiere abgesetzt. Weiter unter:
http://www.freace.de/artikel/200603/040306b.html 

 

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